Bekanntlich findet der Koran scharfe Worte gegen die Lehre von der Dreieinigkeit:
“Ungläubig sind wahrlich, die da sprechen: “Allah ist der Dritte von Dreien"; es gibt keinen Gott als den Einigen Gott. Und wenn sie nicht abstehen von dem, was sie sagen, wahrlich, so wird die unter ihnen, die (weiter) dem Unglauben huldigen, eine schmerzliche Strafe ereilen.” (Sure 5,74)
Hinzu kommt, dass selbst unter Christen vielen diese Lehre eine Last zu sein scheint, die eher widerwillig als begeistert bekannt wird und recht wenig mit dem Glauben zu tun zu haben scheint. Es ist also höchste Zeit für eine kleine Reputation der Lehre von der Dreieinigkeit:
Zunächst muss man allerdings den Kritiker kritisieren, denn Mohammed hatte offenbar nur ein oberflächliches Verständnis vom Christentum und sich im Hinblick auf die Dreieinigkeit mindestens in zwei Punkten geirrt:
Erstens redet er immer von drei Göttern und löst das Paradoxon dieser Lehre billig in seinem Sinne auf. Nein, es handelt sich um EINEN Gott und drei Personen, die alle Gott sind, ohne dass der Verehrung des einen Gottes etwas genommen würde. Man kann dies unlogisch finden und darauf verweisen, dass Gott sich unserer Logik bedienen müsste, man kann es für unbiblisch erklären, aber man kann es nicht einfach ignorieren.
Zweitens ist Maria keine Person der Dreieinigkeit.
“Und wenn Allah sprechen wird: “O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesprochen: “Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben Allah"?, dann wird er antworten: “Heilig bist du. Nie konnte ich das sagen, wozu ich kein Recht hätte.” (Sure 5,116)
Darauf angesprochen versuchen Muslime bis heute Christen zu erklären, dass Maria ja irgendwie doch zur Dreieinigkeit gehöre, weil sie so verehrt werde. Aber ganz im Ernst: Maria hat noch nie, zu keiner Zeit, in keiner Sekte zur Dreieinigkeit gehört. Die drei Personen, die als Gott verehrt werden waren immer der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Daneben hat sich leider ein Marienkult und eine bunte Heiligenverehrung entwickelt, die in der Tat kritikwürdig sind, aber eindeutig nichts mit der Lehre von der Dreieinigkeit zu tun haben - und strenggenommen unterscheiden auch Katholiken, zwischen der Verehrung Gottes und der Verehrung Marias und der Heiligen, die sie in ihrem Verständnis nicht anbeten.
Hätte Mohammed sich die Mühe gemacht, sich mit christlicher Theologie und Frömmigkeit zu beschäftigen, dann hätte er sowohl die Dreieinigkeit als auch den Marienkult als auch die Heiligenverehrung anprangern können. Aber seine tatsächliche Version lässt sich nicht anders als durch Unkenntnis erklären.
Im folgenden habe ich einen Auszug aus dem Artikel “Dreieinheit” aus biblipedia kopiert:
“"Dreieinheit", “Trinität” oder “Dreieinigkeit” ist eine theologische Gottesbezeichnung. Mit dem Begriff der D versucht man den schwer zu begreifenden Umstand zu benennen, dass es einen Gott gibt aber drei Personen Gott sind: nämlich Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Der biblische Beweis der D wir also durch den Nachweis erbracht, dass jede der genannten Personen in der Bibel wirklich als Person und als Gott betrachtet wird und dass es nur einen einzigen Gott gibt.
Zum Nachweis der Gottheit einer Person zeigt man, dass sie entweder einer Verehrung gewürdigt wurde und werden durfte, die nur Gott zusteht und dass sie göttliche Attribute besitzt. Zum Nachweis des Personseins verweist man beispielsweise auf ihr Reden oder Empfinden.
Ferner geht es um die Frage, wie die drei Personen sich zueinander verhalten ("ontologische” Trinität) und welche Bedeutung sie für uns haben ("ökonomische” Trinität).
Kaum eine Lehre im Christentum hat soviel Widerspruch erfahren wie die Lehre von der D, zuallererst innerhalb der Kirche bis heute aber auch von Nichtchristen, die es als Beleg für das widersprüchliche Gottesbild der Bibel sehen. Aber auch für viele Christen, die sich mit der Lehre von der D arrangiert haben, ist sie oft ein unbeliebtes Thema, über das wenig gepredigt und noch viel weniger gesprochen wird.
Das Erstaunliche daran ist aber, dass sie im persönlichen Glaubensleben der Christen eine ganz natürliche und große Bedeutung spielt, die aber nicht bemerkt wird: Für jeden Christen ist es ganz natürlich, Gott im Himmel zu glauben und seine Erwartungen eben darauf zu richten. Der Friede mit Gott beruht gerade auf dem Wissen, dass der Mensch Jesus gleichzeitig Gottes Sohn ist und so für uns ins Mittel treten konnte. Wir müssen unseren Blick also nicht als Sünder direkt auf Gott richten, sondern können in Jesus einen Menschen wie wir verehren, weil er eben Gott ist. Und Christen leben in dem Bewusstsein, dass Gott nicht nur im Himmel ist, sondern auch bei ihnen und in ihrem Herzen wirkt und sie tröstet und ihnen hilft, bis zum Ende durchzuhalten, und eben diese Aufgabe erledigt der Heilige Geist. Und ein wahrer Trost ist es nur, weil der Heilige Geist selbst Gott ist und eben nicht nur eine Kraft oder eine irdische Person, sondern voll und ganz Gott, der bei uns ist.
Die Lehre von der D ist also ein integraler Bestandteil des christlichen Glaubens, und sie wird nur kompliziert, wenn man versucht, sie zu entschlüsseln. Sie ist so wichtig, dass man sie sogar dort in Karikaturen wiederfindet, wo sie eigentlich gar nicht gelehrt wird. Denn die Lücke, welche die D hinterlässt, wird immer gefüllt. Als Beispiel möchte ich hier nur auf den Islam eingehen, weil das Judentum als zweite Monotheistische Religion sich ganz offen zu dem Gottesknecht bekennt und ihn noch erwartet: Im Islam rückt der “Prophet” Mohammed in eine Ehrenstellung, die einem Menschen schlichtweg nicht zusteht. Als Mohammed das Ärgernis einer der menschlichen Vernunft nicht zugänglichen D aus der Welt schaffen wollte, brachte er seine Anhänger in die Lage, direkt und ohne vorherige Sühne vor Gott zu treten. Und seine Anhänger beweisen bis heute, dass ihnen diese Stellung nicht möglich ist, denn sie nahmen die Person des Propheten in ihr Bekenntnis hinein (z.B. in das Glaubensbekenntnis des berühmten Theologen al-Ghazali)! Vor diesem Hintergrund mutet es wie eine unfreiwillige Ironie an, dass das kürzeste Glaubensbekenntnis des Islam einerseits die Einheit und Einzigkeit Allahs bezeugt und dann gleich den Mohammed als Propheten bekennt: “Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt, und Muhammad ist sein Prophet.” [man muss sich nur mal vorstellen, Christen würden in ihrem Bekenntnis immer wieder bezeugen “Elia ist sein Prophet” o.ä. Tatsächlich erscheint im christlichen Glaubensbekenntnis an der zweiten Stelle das Bekenntnis zu Gottes Sohn, der aber nicht zu unrecht geehrt wird, weil er eben nicht nur Mensch sondern auch Gott ist., Anm. MW]
An die Stelle des Heiligen Geistes sind die fünf Säulen des Islam getreten. Sie dienen alle dazu, durch feste Zeiten, Handlungen und Worte, wenigstens für einen kurzen Moment oder die Dauer einer Pilgerreise sich der Zugehörigkeit zum Heiligen zu versichern. Eine ähnliche Funktion kann man im Benutzen des Gebets-Teppichs sehen, der ein aus der Umwelt herausgelöster heiliger Ort darstellt, der den Menschen die fehlende Nähe Gottes ersetzt.”
Daher hier noch mal die Kurzversion der Lehre von der Dreieinigkeit in den Worten Jesu:
“Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben.
Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.
Jesus spricht zu ihr: Ich bins, der mit dir redet.”
(Joh 4,23-25)
Ich möchte nur auf einen Link hinweisen, der zu einer Andacht über den Propheten Obadja führt und das Wort Gottes an Edom als Wort Gottes an Deutschland liest. Ich bin nicht sicher, ob man das so machen kann, aber im Ergebnis scheint mir eine sehr geistliche Sicht auf das Dritte Reich und vor allem sein katastrophales Ende zu gelingen. Wieviel Gnade hat Gott unserem Volk geschenkt, dass er in seinem Gericht an diesem stolzen Volk noch die Möglichkeit zur Flucht schenkte, obwohl die Deutschen den Juden jeden Fluchtversuch genommen haben. Wer diesen Text liest, verliert jede Lust an einem Zentrum für Vertreibung und dankt vielmehr Gott für die an Deutschland erwiesene Gnade.
Denn die Güte Gottes ist es, dass es nicht ganz aus war mit uns!
http://www.auftanken.de/bl_chronologische/2007-07-01/
Die wichtigste Stelle der Bibel, mit der die Möglichkeit einer natürlichen Theologie begründet wurde, ist Röm 1,20 (wobei eigentlich das ganze Kapitel die heidnische Gotteserkenntnis thematisiert). Allerdings fällt auf, wie sehr sich dieser Text von denenen mittelalterlicher Autoren unterscheidet. Und tatsächlich widerspricht er sogar allen traditionellen Beweisversuchen:
Die Gottesbeweise gehen alle von Prämissen aus, die keine Gotteserkenntnis enthalten und arbeiten sich dann durch schlaue Überlegungen hoch bis zur Erkenntnis Gottes. Dieses Vorgehen widerspricht Röm 1 diametral:
1. Die Erkenntnis Gottes muss nach Röm 1 nicht erarbeitet werden, sondern liegt offen zutage.
2. Es geht in Röm 1 nur um die Erklärung dafür, wie es zur Nichterkenntnis Gottes kommt. Hierzu muss man sich entscheiden, die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederzuhalten (V.18).
3. Der Inhalt dieser Erkenntnis ist nicht der “erste Beweger” oder dergleichen, sondern eine umfassende Entfaltung göttlicher Eigenschaften vor unseren Augen.
4. Nicht dem Menschen kommt in Röm 1 die Ehre zu, sondern Gott. Dem Mensch bleibt nur die Schande, Wahrheit durch Ungerechtigkeit niedergehalten zu haben.
5. Der Mensch hat in den Gottesbeweisen nur eine rudimentäre Gottesvorstellung und muss von diesem Punkt weitergehen zu der Frage, wer dieser Gott eigentlich ist und welche Konsequenzen dies hat. In Röm 1 hingegen liegt Gottes Wesen in den für uns wichtigen Aspekten schon offen:
“Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien;” (V.20)
In V.32 wird sogar gesagt, dass der Wille Gottes an die Menschen erkennbar ist. In reformierten Bekenntnisschriften wird an dieser Stelle allerdings hinzugefügt, dass diese Erkenntnis nur ausreiche, um den Zorn Gottes zu erkennen, nicht jedoch die Gnade Gottes. Aber das ist nicht richtig. Denn in Apg. 14,17 spricht Paulus einen weiteren Teil natürlicher Gotteserkenntnis an: “Er (Gott) ließ in den vergangenen Geschlechtern alle Nationen in ihren eigenen Wegen gehen, obwohl er sich doch nicht unbezeugt gelassen hat, indem er Gutes tat und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gab und eure Herzen mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte.” Hier wird also ganz deutlich das Erbarmen Gottes über die Menschen deutlich, die zwar um seinen Zorn wissen, aber gleichzeitig seine Gnade jeden Tag ganz einfach daran erkennen könnten sollten, dass er ihnen Regen und Sonne schenkt und ihnen sogar soviel gibt, dass sie sich freuen können.
Der moderne Mensch wird hier allerdings einwenden, dass diese Vorstellungen von Gotteserkenntnis bestenfalls für ein vorwissenschaftliches Zeitalter gelten und seit der Evolutionstheorie keineswegs mehr in dem “Geschaffenen” Gott erkannt werden könne. Tatsächlich berührt die Evolutionstheorie den Gedanken dieses Textes noch nicht einmal - unabhängig von der Frage, was sie überhaupt erklären kann. Denn Paulus nennt hier die Erkannbarkeit von Gottes “ewiger Kraft” und “Göttlichkeit". Dieses Wissen kann man durch andere Bibelstellen noch ergänzen: nach Psalm 104,24 hat Gott die Erde “mit Weisheit” gegründet und jeder, der sich mit Gottes Werken beschäftigt, weiß, was damit gemeint ist. Die Evolutionstheorie kann bestenfalls erklären, warum es Nutzen gibt. Sie kann aber nicht erklären, wieso die Welt Gottes Herrlichkeit wiederspiegelt. Ein Nutzen wäre doch auch mit weniger Vielfalt, weniger Schönheit, weniger Komplexität weniger Herrlichkeit gegeben. Woher kommt die Erhabenheit, die Majestät, eben die Göttlichkeit, die sich in allem Geschaffenen noch wiederspiegelt? Sie erklärt auch nicht die Zeit für Vergnügen und Dankbarkeit, wo sie doch angeblich nur die Überlebensvorteile selektiert. Alle evolutionistischen Erklärungsversuche hierfür bleiben bruchstückhaft.
Und zuletzt scheitert sie an der Liebe Gottes. Sie kann nicht erklären, wie Menschen auf Feindesliebe kommen, die so weit geht, dass sie jemand für seine Feinde sogar aus Liebe töten lässt. In der Natur finden wir vielleicht noch die Selbstaufopferung für die eigenen Kinder oder für Freunde. Aber kein Tier und kein Mensch wird von seiner natürlichen Veranlagung seine eigenen Kinder für seine Feinde aus Liebe opfern. Die Liebe Gottes übersteigt alles, was wir von der Natur kennen und lenkt unseren Blick direkt auf den Schöpfer. Damit ist das Kreuz selbst der beste Gottesbeweis der Geschichte. Vor ihm kommt der Zweifler zur Ruhe.
Zentrale Bibelstellen: Röm 1 und 2 Apg 14,17
(Quelle: biblipedia.de; leicht gekürzte und veränderte Fassung)
Bei den meisten Terroristen sind die Ziele einigermaßen durchschaubar: entweder sollen Gefangene entlassen werden, Truppen sich zurückziehen oder es geht einfach um Geld. Aber welchen Nutzen hat der Terrorismus, den wir z.Zt. erleben? Hierzu herrscht erstaunlich viel Schweigen im deutschen Blätterwald. Stattdessen denkt man lieber über praktische Fragen der Anti-Terror-Abwehr nach, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist.
Die sozialen Gründe für den Terror musste man schon früh aufgeben, weil die Terroristen eher aus der Mittelschicht kamen. Und alle möglichen psychologischen Teorien scheitern daran, dass sie nicht das Phänomen des islamischen Terrorismus erklären, denn verbitterte, hasserfüllte Menschen gibt es in jeder Kultur.
In konservativen Kreisen wird der Terror oft als Mittel der Mission oder Verbreitung des islamischen Herrschaftsgebietes gedeutet. So erklären es übrigens auch manche ehemalige Muslime:
http://www.gruene-pest.de/showthread.php?t=240770
http://de.danielpipes.org/article/2800
Aber diese Erklärungen greifen immer noch zu kurz, denn eine Ausbreitung der eigenen Religion oder Weltanschauung wünscht sich doch jeder, nicht nur die Muslime. Davon abgesehen, wählen sie dafür denkbar dämliche Mittel, wenn sie ernsthaft glauben, die Deutschen führen die Scharia ein, weil sie sich vom Islam bedroht fühlen. Der größte Erfolg könnte doch nur darin bestehen, dass sie rechtliche Reaktionen auslösen - die dann allerdings vor allem zum Nachteil der hier lebenden Muslime auschlagen würde. Das kann nicht der Grund sein.
Wer den Terrorismus des Islam verstehen möchte, muss die Theologie des Dschihad verstehen. Der Dschihad heißt wörtlich übersetzt soviel wie “Bemühen” und ist ein Ausdruck für das Vorgehen gegen Sünde. Christine Schirrmacher nennt in ihrem Buch “Der Islam, Band 1″ vier Formen des Dschihad:
1. Der Jihad des Herzens: dies ist die Bekämpfung des Teufels und die Abwehr seiner Angriffe, um die Menschen zum Bösen zu verleiten.
2. Der Jihad der Zunge: Er wird gekämpft durch das Aussprechen des Wahren und Richtigen.
3. Der Jihad der Hände: Dies ist das Eintreten für das Richtige und das Vermeiden des Falschen.
4. Der Jihad des Schwertes: Nur er bedeutet Kampf und Krieg gegen die Ungläubigen und Feinde des Glaubens. (Schirrmacher, S.184).
Was nun oft übersehen wird, ist der Zusammenhang zwischen diesen vier Formen. Aus den gleichen Gründen wird gegen die eigene Sünde gekämpft wie gegen die “Gottlosen".
Die Identität beider Formen des Jihad wird durch den speziellen Sündenbegriff im Islam möglich: Sünde ist im Islam, anders als im Christentum, etwas, das dem Menschen anhängt, ohne den Menschen völlig zu verderben. Der Kampf gegen die eigene Sünde ist daher auch immer ein Kampf gegen etwas äußeres, nicht zur eigenen Person gehörendes, wobei sich im Herzen natürlich die Versuchungen abspielen, die allerdings von Satan ausgehen und nicht aus dem Menschen selbst kommen:
“Und wenn du von seiten des Satans (zu Bosheit und Gehässigkeit) aufgestachelt wirst, dann such Zuflucht bei Gott! Er hört und weiß (alles).” (Sure 7, 200) Ähnliches befürchtet man auch von den Ungläubigen. Das Böse wird also immer von außen an den Muslim herangetragen. Dieser Unterschied zum Christentum ist der grundlegenste, um den Jihad zu verstehen aber nicht der einzige. Denn bis hierhin hat man nur gezeigt, weshalb es sich um den gleichen Jihad handelt, egal ob man gegen die Sünde im eigenen Leben kämpft oder gegen die Sünde in der Welt. Man versteht aber noch nicht, welche Bedeutung dieser Kampf hat.
Die Bedeutung des Jihad im Leben eines Muslim ergibt sich aus der Lehre von der Barmherzigkeit Allahs:
die Barmherzigkeit steht grundsätzlich jedem offen, aber sie folgt dem Gehorsam nach.
“Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, damit (auch) Gott euch liebt und euch eure Schuld vergibt!” (Sure 3,31). Im Gegensatz dazu ist Jesus für uns gestorben, als wir noch Sünder waren (Röm 5,8).
Das gerechte Handeln ist im Islam also immer ein Weg zur Vergebung. Man kommt aber nie an den Punkt, wo man sich der Gnade sicher sein kann, der Islam kennt keine Heilsgewissheit und Allah vergibt seine Gnade, wie es ihm gefällt.
Im Koran wird diese Souveränität Allahs betont. Z.B. in Sure 13,13 “Und der Donner lobpreist ihn, und (desgleichen) die Engel, aus Furcht vor ihm. Er schickt die (Blitze und) Donnerschläge und trifft damit, wen er will. Dabei streiten sie (d.h. die Ungläubigen, Anm. des Übersetzers Rudi Paret) über Gott, wo er (sich doch so gewaltig zeigt und) voller Tücke ist.” Mit dem Streit über Gott ist wohl in diesem Zusammenhang die Überlegungen über Gottes Gerechtigkeit zu verstehen, wie sie auch im Buch Hiob beschrieben sind. Während allerdings im Buch Hiob die Frage den Menschen aus der Hand genommen wird durch Gottes Antwort, bietet der Koran eine sehr menschliche Erklärung für Allahs Unberechenbarkeit: er ist voller “Tücke". Dieses Merkmal darf wohl kaum moralisch wertend gemeint sein, sondern ist eine spitze Formulierung für die allgemeine Vorstellung, dass der Muslim nie zur letzten Gewissheit über seinen Heilszustand vor Allah kommt, der hier nach seinem Gutdünken oder eben willkürlich entscheidet.
Der Jihad ist also die einzige Möglichkeit, sich die Gunst Allahs zu erwerben. Der Jihad erwächst direkt aus dem Lebensgefühl, dass der Muslim in seiner Stellung vor Allah empfinden muss. Das “Bemühen” (Jihad) ist gelebter Gehorsam und erhebt den Muslim über den Gottlosen, es ist die treibende Kraft hinter den 5 Säulen des Islam und die stete Unruhe die aus der Heilsunsicherheit erwächst. Der Jihad ist also selbst eine religiöse Übung - unabhängig von der erzielten Wirkung! Nur so kann man die Anschläge verstehen. Es gibt im Islam verschiedene Auffassungen darüber, wer den Jihad ausrufen muss, und welche äußeren Bedingungen gegeben sein müssen und ich sage nicht, dass die terroristische Variante die einzige oder beste Auslegung des Jihad ist. Man kann also nicht voraussagen, welche Formen der Jihad annimmt, aber man kann die auftretenden Formen leicht durch die Theologie des Jihad erklären.
Es gibt auch in der Bibel von Gott befohlene Kriege. Der Unterschied zum Jihad besteht aber darin, dass die Kriege zwar aus Gehorsam geführt werden aber bereits die Zugehörigkeit zum Volk Gottes voraussetzen, während der Jihad das ständige Bemühen um die Gunst Allahs darstellt und der Krieg so selbst zur religiösen Übung wird.
Im Christentum gibt es natürlich auch den Kampf gegen die Sünde. Aber hier werden wir durch den Glauben an die Vergebung Gottes durch sein stellvertretendes Opfer durch Jesus erlöst. Die Sünde ist auch keine bloße Tatsünde sondern ein Verderben, dass den Menschen von seinem Innersten her verwüstet hat. Hier ist an eine besondere Auszeichnung durch gute Taten vor allen anderen Menschen nicht zu denken. Jeder Christ weiß: wenn mein Heil darauf beruhte, dass Gott meine besonderen Werke mit denen anderer Menschen vergleicht, bin ich verloren. Deswegen lehrt Jesus uns zu beten “Und vergib uns unsere Sünden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". Der Christ ist Sünder wie der Gottlose. Er unterscheidet sich nicht dadurch, dass er sich durch bestimmte Leistungen hervorgearbeitet hat, sondern dass er seine Schuld von Gott aufgedeckt bekommt und durch das Blut eines anderen gerecht vor Gott steht.
Ein bekannter Text über den geistlichen Kampf beginnt daher mit den Worten:
“Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke” (Eph. 6,10) Die ganzen Waffen, die dann aufgezählt werden, sind Waffen, die wir bereits von Gott erhalten haben. Es ist also ganz wörtlich zu verstehen, dass wir hier in SEINER Stärke stark werden sollen. Unser Kampf findet also bereits durch ihn statt, und unsere Waffen sind sein Heil und seine Gnade, also gerade die Dinge, mit denen Gott uns voraussetzungslos beschenkt hat. Woher könnte uns ein Urteil drohen, wenn Gott selbst uns vergeben hat und die Gerechtigkeit seines eigenen Sohnes anrechnet? An die Stelle des Kampfes tritt hier nur noch das eigene Absterben und die Dankbarkeit.
Gewaltätig sind Christen vor allem dort geworden, wo sie diese Lehre missachtet und sich eine eigene Gesetzesreligion erschaffen haben.
“Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist!” (Kol 3,1f)
Gerade wenn man sich als Christ politisch oder journalistisch betätigt, passiert es leicht, dass dieser Grundsatz vergessen wird und man entwickelt weltliche Ziele. Z.B. passiert es leicht, dass man der Versuchung erliegt, gesellschaftlichen Einfluss zu nutzen, um hier auf der Erde als Christ komfortabel leben zu können. Natürlich ist es schön, in einer christlichen Gesellschaft zu leben, in der alle den Sonntag heiligen, die 10 Gebote in hohem Ansehen stehen und der Reliunterricht vom Feinsten ist. Wenn Gott uns das schenkt, dürfen wir solche Zeiten genießen. Wir sollen sogar regelmäßig dafür beten, dass Gott uns ein “ruhiges und stilles Leben” ermöglicht (1.Tim 2,2) und wir dürfen auch vor Gericht für unser Recht streiten, wenn wir verfolgt oder bedroht werden. Denn wenn Gott die Obrigkeit als “Dienerin, dir zum Guten” (Röm 13,4) eingesetzt hat, wäre es falsche Bescheidenheit, auf solche Hilfe zu verzichten.
Aber es bleiben trotzdem weltliche Ziele und sie sollten keinen zu hohen Stellenwert für uns besitzen, weil sie nicht das Ziel unserer Hoffnung sind. Wir sollen auf das “sinnen", was “droben” ist, nämlich im Himmel bei Gott. Wenn wir uns aber für eine christliche Gesellschaft einsetzen, geschieht es leicht, dass wir unsere Hoffnung auch auf die Entwicklung in der Gesellschaft setzen und durch vereinzelte Erfolge befeuert das eigentliche Ziel vergessen. Wir werden dann nicht mehr von der Liebe für andere getrieben oder vom Gehorsam gegen Gott, sondern nur noch von dem reizvollen Gedanken, etwas zu bewegen. Diese kleinen Anfälle von Machtgefühlen sind zwar vermutlich erhebend, aber ungeistlich, weil sie unsere Hoffnung auf unsere Kraft richten und auf dieses Leben. Im schlimmsten Fall verführen sie uns sogar dazu, Gottes Gebote zu übertreten, weil wir uns schon so nah am Ziel eines greifbaren Reiches Gottes wähnen, dass die Mittel das Ziel zu rechtfertigen scheinen.
Das muss nicht so offensichtlich geschehen, dass jemand versucht, durch Gewalt das Reich Gottes zu verwirklichen. In der stilleren Variante wird das Engagement einfach lieblos, d.h. man wird nicht mehr von dem Wunsch getrieben, etwas für Menschen zu tun, sondern wir wollen dann “etwas” bewegen oder “die Gesellschaft” ändern. Das ist aber ein spärliches Ziel und keinesfalls besser als das, was auch gottlose Politikern anstreben.
Wenn wir uns selbst prüfen wollen, ob wir unsere Hoffnung auf das ewige Leben richten, dann müssen wir uns fragen, ob wir das, was wir tun, auch dann noch tun würden, wenn wir das Ergebnis nicht mehr erleben werden und andere Menschen den Nutzen davon haben werden, und wir auch keinen posthumen Ruhm dafür ernten. Nur wenn wir etwas wirklich für andere ohne Hintergedanken oder Selbstsucht tun, also als Sterbende, die mit diesem Leben abgeschlossen haben und in der Kraft der Auferstehung jetzt für andere leben, können wir sagen, dass wir auf das gesehen haben, “was droben” ist, bei Christus, sitzend zur Rechten Gottes.
Wieso sortiert sich Deutschland an so vielen Streitfragen so berechenbar? Wieso sind Menschen, die für die Gleichberechtigung der Frau eintreten auch gegen Gen-Mais, gegen den amerikanischen Präsidenten, für liberalere Strafgesetze, für Abtreibung und für Klimaschutz etc? Umgekehrt funktioniert das Ganze natürlich ganz genau so.
Gibt es neben dem Christentum eine weitere Weltanschauung, die eben nicht durch Vernunft zusammen gehalten wird, sondern durch eine klar beschreibbare Grundüberzeugung? Diese Frage hat mich lange beschäftigt und das Ergebnis war für mich überraschend einfach. Es handelt sich um eine in ihrem Glauben klar gefasste Religion, deren unglaubliche Verbreitung nur durch ihre unglaubliche Verbreitung verschleiert wird. In dem Beitrag “Naturmystik - eine neue Religion” habe ich das Ergebnis vorgestellt.
http://www.theocons.de/index.php/2007/04/
Wer nicht glaubt, dass es sich hierbei wirklich um eine Religion im vollen Sinne des Wortes handelt und Naturmystik vielleicht sogar mit Umweltschutz verwechselt, der soll sich diese beiden Werke mal näher ansehen:
De Film “Nausicaä aus dem Tal der Winde” und den deutschen Bestseller von Frank Schätzing “Der Schwarm". Beide führen die Krise im Verhältnis (der Begriff passt hier tatsächlich) zur Natur in eine Form der Verehrung oder Hingabe, die absolut gar nichts mit Naturschutz zu tun hat, in der das Problem überwunden wird. Im Falle des Films wird Nausicaä selbst zu einer Messiasfigur. Man kann diese Religion kaum besser verstehen, als über diese beiden Medien. Unterhaltsam sind sie allemal.
In Geschichtsbüchern wird die Reformation in der Regel als Unterpunkt der Renaissance abgehandelt. Von dieser habe sie die Idee gehabt, zurück zu den Wurzeln zu gehen und, ja, irgendwie “individuell” zu denken - was auch immer das heißen soll.
Tatsächlich waren sowohl Renaissance als auch die Reformation zwei Bewegungen, die das “Mittelalter” (wie die Renaissance diese Zeit herablassend verunglimpfte) beenden wollten, dabei aber entgegengesetzte Wege beschritten.
Das Mittelalter zeichnete sich durch ein sehr philosophisches Christentum aus. Man schätzte durchaus antike Autoren, soweit sie dem Christentum nicht offensichtlich widersprachen und das ganze Denken war stark durchwebt von antik-heidnischem, volkstümlich-abergläubischen und christlich-biblischem Denken.
Die Renaissance wollte diesen Knoten zerschlagen, indem sie sich von christlichen Einflüssen befreite und die Antike wiederbelebte.
Die Reformation hingegen wollte genau zu den anderen Quellen zurück: der Bibel.
In der Öffentlichkeit weniger beachtet war die Hinwendung zum volkstümlichen Aberglauben (ich habe in manchen Beiträgen schon darauf hingewiesen), weil sie die Geistesgeschichte nicht so sehr beeinflusste, sondern bestenfalls in den Hexenverfolgungen mal unübersehbar wurde. Diese Bewegung scheint erst jetzt in unseren Tagen ernsthafte Verbreitung zu finden, und sie zeigt sich in der Hinwendung nicht zu den antiken Wurzeln unserer Kultur sondern zu ihren vorchristlichen, “natürlichen".
Die Renaissance verändert nicht nur die Kultur (Architektur, Malerei, Literatur), sie schuf auch eine neue Wahrnehmung der Welt, insbesondere die Schönheit von Landschaften. Menschen wurden jetzt realistischer gemalt und nicht mehr als steife, flächige Geistwesen. Aber es entstand auch eine Eitelkeit, die vorher verpönt gewesen wäre, und es bildete sich der Spott als öffentliches Mittel der legitimen Demütigung heraus. Burckhard (Autor des Klassikers “Kultur der Renaissance") hält beides für die notwendige Begleiterscheinung des vermeintlich erwachenden “Individualismus". Auf jeden Fall war es eine Begleiterscheinung der Abwendung vom Christentum, denn individuelle Sorgen und Wünschen gab es auch vorher. Individualismus kann nicht viel mehr bedeuten als die Abkehr von Gott.
Aber was die Renaissance nicht hervor gebracht hat - auch wenn immer wieder das Gegenteil zumindest angedeutet wird - war die Wissenschaft. Wie sollte sie auch, wo doch die Antike selbst keine Naturwissenschaft hervorgebracht hatte?
Die entstand erst durch die Reformation. Durch sie wurde ein neuer Blick auf die Natur geboren, der nicht mehr nur von ästhetischen Interessen geleitet war, sondern in der Natur die Weisheit Gottes sah und suchte. Hier lag die Entstehung nicht nur der Wissenschaft, das wäre viel zu dürr formuliert, es war eine regelrechte Naturbegeisterung, wie man sie sonst in ganz wenigen Kulturen findet (Humboldt nennt als ein weiteres Beispiel interessanterweise noch manche “hebräischen” Psalmen als Zeichen für Naturbegeisterung).
Und erst jetzt entstand eine Bewegung, die alle Bevölkerungsschichten erfasst, im Gegensatz zur Renaissance, die immer ein Hobby der Elite blieb. Leider hat Luther im Bauernaufstand dann der Mut verlassen, und er erkannte selbst nicht das revolutionäre Potential, das in seiner Entdeckung lag. Aber es wäre wohl auch übertrieben, die Reformation auf das Wirken Luthers zu beschränken.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das “Dritte Reich” auf einmal peinlich. Von heute auf morgen verschwanden die braunen Hemden von der Bildfläche und niemand wollte dabei gewesen sein oder gar etwas von den Judenmorden gewusst haben. Und schon wenige Jahre später waren die Leute schon genervt, wenn sie auf ihre Vergangenheit angesprochen wurden. Sie wollten bereits nach 5 Jahren einen Schlussstrich ziehen und wieder angesehen sein in der Welt. Die Scham über den Holocaust empfand man wie eine lästige Schmutzschicht, die es schnellstmöglich zu entfernen gilt. Aber es war kein tiefes Bewusstsein einer Schuld, das man eigentlich erwarten sollte.
Die nächste Generation wollte mit der deutschen Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Sie war unschuldig und wollte das jedem durch ihre radikale Verdammung nicht nur des Holocaust sondern der ganzen Epoche in Deutschland und überhaupt alles Deutschen beweisen.
Im Ausland kam diese Masche freilich nicht an, denn dort wurden sie nach wie vor als Deutsche betrachtet, und der Judenhass galt als typisch deutsches Problem. Da hilft es auch nicht, sich als “Weltbürger” oder “nicht-Bürger” zu bezeichnen; im Ausland sind wir Deusche und bleiben es.
Die Enkelgeneration scheint sich dieses Problems bewusst zu sein, aber sie hat ein ganz neues Mittel gefunden, um mit der Schuld umzugehen: die Party!
Jetzt wird einfach - betont unpolitisch - gefeiert und demonstriert, dass wir das gelassenste Volk der Welt sind und keine Schuld mehr drückt. Dass bei dieser Party das Ausland als Adressat einer Botschaft betrachtet wird, zeigte die letzte WM. Die Deutschen sind erst ausgeflippt, als alle zugeschaut haben. Der Unterschied zu den WMs zuvor war überdeutlich - und vermutlich wird die nächste WM wieder ruhiger. Die BILD freute sich, dass alle sich mit uns freuen, und auch wenn keine Anspielung auf das Dritte Reich auftauchte, war der Zusammenhang doch klar: Hurra, sie sind uns nicht mehr böse und lassen uns unsere Schuldvergessenheit durchgehen! Was hätte es uns sonst zu interessieren, ob andere Länder sich über unsere Fußballbegeisterung freuen?
Die Wahrheit ist: Wir werden noch Jahrhunderte lang in der Welt als das Volk des Holocaust angesehen werden. Mit dieser Demütigung werden wir auf unabsehbare Zeit leben müssen. Kein Geldtransfer, kein Weltbürgergeschwafel und keine Party wird daran etwas ändern.
Ob man im Ausland Grund hat, sich als moralisches Vorbild zu betrachten, steht auf einem anderen Blatt. Mit einer weißen Weste ist wohl niemand aus diesem Krieg hervorgegangen (auch die Schweizer nicht, die gut mitverdient haben). Aber es ist nicht unsere Aufgabe darauf hinzuweisen - das ist Sache des Heiligen Geistes.
Wir sollten Gott vielmehr danken, dass wir überhaupt noch ein freies Land sein dürfen, dem es dazu noch unverschämt gut geht. Deutschland hätte es nach dem Dritten Reich verdient, völlig zerstört zu werden. Es ist allein die Güte des Herrn, dass es eben nicht ganz aus war mit uns.
Und wir sollten an die Länder und Menschen denken, die unter den Kriegsfolgen erheblich mehr zu leiden hatten als wir und uns bereitwillig in unsere schlecht angesehen Stellung fügen, die Gott uns auferlegt.
Jan Assmann unterscheidet zwischen “primären” und “sekundären” Religionen. Jene waren von Anfang an da, diese entstanden aufgrund einer Offenbarung, und verbreiteten sich durch einen Religionsstifter.
Sekundäre Religionen zeichnen sich nach Assmann durch die Unterscheidung zwischen “wahr” und “falsch", “Glaube” und “Unglaube” aus.
(eine Zusammenfassung der These in http://www.theologie-systematisch.de/gotteslehre/2/assmann.htm)
Diese Unterscheidung sei für den Kampf der Religionen verantwortlich und eine stete Quelle der Gewalt der sekundären Religionen gegenüber der primären Religionen. Als Beispiele nennt Assmann vor allem Judentum und Christentum, deren Ursprung er mit dem Auftauchen von Mose datiert.
Davon abgesehen, dass es schon unseriös ist, eine Religion als “primär” zu bezeichnen, nur weil man ihren Anfang nicht kennt und selbstverständlich auch in den vermeintlichen “Primärreligionen” im Namen der Religion getötet, Krieg geführt und ein Kampf gegen Kultstörenfriede geführt wurde (siehe Sokrates), ist die These aber auch nicht logisch.
Wie entsteht denn Gewalt? Genügt es wirklich, zwischen “wahr” und “falsch” zu unterscheiden? Das ist ja wohl etwas dünn.
Ich glaube, dass zur Gewalt folgende Voraussetzungen nötig sind:
1. Der durch die gewalttätige Handlung angestrebte Zustand muss erstrebenswert sein.
2. Der Zustand muss realisierbar sein.
3. Die Gewalt muss durch das Ergebnis gerechtfertig sein.
4. Der Gewalttäter muss zu den “Guten” gehören.
Punkt 1 erfüllt jeder, der überhaupt irgendeine Vorstellung von einer guten Welt hat, die von der jetzigen abweicht. Hier geht es nur um die Frage, ob es so einen erstrebenswerten Zustand gibt. Hier ist es völlig egal, ob es sich um den Wunsch nach der Durchsetzung der eigenen Religion (egal ob mono- poly- oder atheistisch), der eigenen politischen Ansichten oder dem Weltfrieden handelt.
Zur Gewalt kommt es dadurch erfahrungsgemäß noch lange nicht. Denn was nützt die theoretische Überlegung, dass es schön wäre, wenn alle Menschen Ufogläubige wären, aber man den Zustand nicht für erreichbar hält und die benötigte Gewalt für nicht gerechtfertigt?
Punkt 3 würden vermutlich viele öffentlich vehement von sich weisen, aber sich vielleicht doch wünschen, dass es einen “Knall” gibt, oder eine “Revolution", durch die sich kurzfristig das Elend, aber langfristig die bessere Welt einstellt.
Aber selbst dann würden die meisten doch sagen, dass ihnen diese Gewalt, selbst wenn sie durch das Ergebnis gerechtfertigt wäre (!), nicht zusteht, weil sie nicht Richter über ihren Nächsten sind. Und damit bin ich bei dem interessantesten Punkt.
Das Wesen der Gewalt besteht darin, den eigenen Willen gegen den Willen meines Nächsten durchzusetzen. Und es kann nur dann zur Gewalt kommen, wenn die Entscheidung gefallen ist, dass diese Hierarchie berechtigt ist (ich klammere hier den größten Teil aller Gewaltverbrechen vermutlich aus, die ohne große Reflektion ausgeübt werden. Hier geht es um die ganz bewusste Gewalt, die durch eine Religion oder Weltanschauung abgesichert sein soll).
Diese Hierarchie kann teilweise einfach verliehen werden und kraft Amtes gelten. Daher kann ein Richter z.B. einen Verbrecher verurteilen. Aber selbst dann wird erwartet, dass der Richter nicht gerade selbst ein Schurke ist (polizeiliches Führungszeugnis). Und auch die verliehene Autorität beruht auf einer moralischen Überlegenheit, nämlich der Überlegenheit des Gesetzes gegenüber dem Angeklagten. Auch wenn es in diesem Beitrag nicht vornehmlich um staatliche Gewalt geht, gelten für sie die gleichen Grundsätze, denn jedes Gericht übt Gewalt und jede Gewalt ist Gericht.
Wenn das stimmt, ist die größte Gefahr nicht die Überzeugung oder die Stärke einer Gruppe, sondern ihre moralische Eitelkeit. Die gefährlichste Waffe der Menschheit ist nicht die Atombombe und auch nicht die Handfeuerwaffe, sondern die selbstgemachte Moral. Nach ihr schneidet man naturgemäß immer gut ab und sie erhebt den Menschen zum Richter über andere.
Und genau das ist im Christentum nicht möglich: der Christ ist nie auf der Seite der Guten sondern immer Teil des Problems. Er bleibt Sünder und kann den Kampf gegen die eigene Sünde ebenso wenig gewinnen wie den Kampf gegen die Sünde in der Welt. Wann immer Christen dieses Wissen verloren haben und “gesetzlich” wurden, haben ihre Gruppen auch Gewalttaten verübt. Das gilt natürlich vor allem für die Katholische Kirche, aber auch für Täufergruppen, die teilweise als marodierende Kleinheere wütend und brandschatzend durch die Lande gezogen sind um das Reich Gottes aufzurichten. Und es gilt auch für den Islam, der eine stark ausgeprägte Gesetzesreligion ist. Das Gefährliche am Islam sind nicht unbedingt die handvoll markiger Suren, sondern sein Sündenverständnis! Der Muslim unterscheidet sich vom Nicht-Muslim nicht durch seine Annahme bei Gott als Sünder, sondern durch seinen moralisch erhobenen Status, der ihm zwar nicht das Heil sichert aber die Chancen verbessert. Und so wie der Muslim seinen eigenen Status verbessert (das ist die wichtigste Stufe des Dschihad!) kann er auch seine Umwelt verbessern - zumindest aus seiner Sicht…
Um auf die Ausgangsfrage einzugehen: Ist Monotheismus gefährlich?
Solange seine Anhänger nicht anfangen, Ethiken zu basteln, ist er nicht gefährlicher als die These, dass der Monotheismus gefährlich ist.
In einer “Dokumentation” über “christlichen Fundamentalismus” wurde gezeigt, wie Christen Kindern böse Geister austreiben und ihnen zu diesem Zeck u.a. den Bauch aufschnitten.
http://www.cineastentreff.de/forum/kino-news-3667.html
Damit sollte vermutlich gezeigt werden, dass es in jeder Religion Extreme gibt. Aber ist Bauchaufschneiden wirklich extrem christlich?
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: nein, auch hier handelt es sich selbstverständlich um keine christliche Praxis, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach um ein heidnisches Ritual, bei dem der Sitz der Geister im Bauch vermutet wird. Der Bauch ist ja in magischen Kulturen hoch gefährdet, weil hier der Hafen für alle verbotenen und schädlichen Speisen ist, die man möglicherweise unwissentlich isst. Es waren daher wohl auch nicht zufällig Christen afrikanischer Herkunft, bei denen der Ritus vollzogen wird.
Einem ähnlichen Gedanken folgt möglicherweise auch das Verbrennen bestimmter Kräuter auf dem (unbetäubten) Bauch eines Kranken in der tibetischen Medizin.
Wieso Arte auf dieser Grundlage vor dem Christentum und nicht - beispielsweise - vor den Naturreligionen oder der tibetischen Medizin warnt, weiß nur Arte.
Und dabei gibt es Grund genug, vor dem Einfluss heidnischer Naturreligionen in Europa zu warnen. Ein großer Teil dieser Religionen besteht nicht darin, um eine Eiche zu tanzen, sondern beispielsweise im Tragen von Amuletten, die vor bösen Geistern schützen, um Vorsichtsmaßnahmen gegen Schadenszauber (z.B. darf man auf keinen Fall seine Haare irgendwo herumliegen lassen! Böse Falle!), um magische Handlungen zur Verbesserungen der Fruchtbarkeit von Feldern und Frauen und um abenteuerliche medizinische Eingriffe.
Und viele dieser Bräuche sind schlichtweg brutal. In vielen Initiationsriten fließt Blut, Frauen werden Monate und Jahrelang eingesperrt und Menschen sterben durch die Flüche der Schamanen.
Dazu kommt die Angst vor der ständigen Präsenz irgendwelcher übellauniger Geister. Die oftmals sehr bunten und schönen Feiern dürfen über diese Seite nicht hinwegtäuschen.
Und wir sollten nicht glauben, dass die Aufklärung Europa vor diesen Einflüssen schützen könnte. Vor kurzem habe ich in einem großen seriösen Buchladen in unserer Stadt in Einrichtungsbüchern gestöbert. Ich war nicht auf der Suche nach Tipps, sondern wollte sehen, wieviel Aberglaube bereits in der Einrichtung steckt. Das Ergebnis: ziemlich viel. Und netterweise wurde man auch darauf aufmersam gemacht, dass es bei der Einrichtung nach Feng Shui-Kriterien im Haus anfangen kann zu spuken - bei Leuten, die eigentlich gar nicht an Geister glauben. Dagegen helfe, so der Ratgeber für Inneneinrichtungen in einem großen seriösen deutschen Buchladen: ein Hausaltar, auf dem man diesen Geistern regelmäßig Opfer bringe, um diese zu versöhnen.
Ich gehe davon aus, dass Autor, Verleger und die meisten Leser den durchschnittlichen Unglauben der Aufklärung in der Schule gelernt haben und nun auf einmal mit heruntergelassenen Hosen dastehen, weil sie sich zwar eloquent über Geisterglaube lustig machen können, und ihnen dann völlig hilflos gegenüber stehen. Und wenn ich mir ansehe, welche Blüten die Angst vor Geistern in anderen Kulturen treibt, bin ich mir fast sicher, dass es auch in Europa nicht bei kleinen Hausaltären bleiben wird.
Es ist nicht die Aufklärung, sondern das Christentum, das hier schützt. Denn Geister haben - wie schon gesagt - Angst vor dem Namen Jesu und sind offenbar heilfroh, wenn sie von ihm nicht in die Unterwelt, sondern in Schweine geschickt werden (Lk 8,26ff).
Es ist also allerhöchste Zeit, dass unsere Gemeinden sich verstärkt Gedanken darüber machen, wie sie den Kontakt zu Kirchen in anderen Kulturen halten und dort die Lehre verbessern, und sich hier in Europa nicht länger von dem Aufklärungs-Geseiber die Augen verkleistern lassen: die Menschen erliegen hier bei uns reihenweise dem Aberglauben. Und es gibt gute Gründe davor zu warnen und zu zeigen, dass Jesus auch Herr ist über die Geister.