Wer einen gut lesbaren Überblick über den gegenwärtigen Stand der Glücksforschung sucht, wird möglicherweise mit dem Buch “Die Glückshypothese - Was und wirklich glücklich macht” von Jonathan Haidt glücklich.
Haidt versucht, moderne Erkenntnisse der Glücksforschung und Weisheiten alter Kulturen in einer gemeinsamen Glücksformel zu vereinigen. Dabei muss man dazu sagen, dass die Auswahl alter Weisheit etwas eng geraten ist, aber interessant sind vor allem seine Informationen zur Forschung. Und obwohl er sich als “liberal” bezeichnet, drängt ihn sein Forschungsgebiet weit ins Lager der Konservativen - viel weiter, als es ihm selbst bewusst zu sein scheint. Glücklich sind nämlich Menschen, die verheiratet sind, Kinder haben, zu einer Religionsgemeinschaft gehören und in einer Gesellschaft mit klaren moralischen Maßstäben leben.
Gerade die Faktoren “verheiratet” und “religiös” sind so mächtig, dass viele andere, kleinere Faktoren sie nicht aufwiegen können. Zur Veranschaulichung konstruierte er zwei Leben, die er folgendermaßen beschreibt:
Nach jeder Wahl werden die Wählergruppen der einzelnen Parteien analysiert. Von den Wählern der Grünen wird immer wieder festgestellt, dass sie einen sehr hohen Bildungsstand haben. Das dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass die Grünen den Ruf erworben haben, eine Partei für Intellektuelle zu sein. In einer Analyse von Wahlplakaten zur Europawahl wurden - fairerweise - alle Plakate mehr oder weniger lächerlich gemacht. Eines der dümmsten Wahl-Mottos, die jemals den Weg in den Druck gefunden haben, war aber unbestritten das Motto der Grünen: “WUMS". Es war die Abkürzung für Wirtschaft, Umwelt, menschlich, sozial, klang aber nicht nur für mich ebenso infantil wie aggressiv. Der einzige Kritikpunkt des Journalisten an dem Plakat war aber, dass möglicherweise die Menschen nicht intelligent genug seien, diese Botschaft zu verstehen. Wäre der Ruf der Partei, gebildete Menschen anzusprechen nicht schon so bekannt, wäre diese Sorge sicher unbegründet.
Nun ist Bildung ja eine halbwegs messbare Größe, wenn man als Bildungsgrad den jeweiligen Abschlusses annimmt. Besonders interessant an diesem Zusammenhang ist aber natürlich, dass Bildung wohl von vielen mit einer hohen Intelligenz in Zusammenhang gebracht wird. Die Nachricht, dass eine Partei einen höheren Anteil an Akademikern unter ihren Wählern hat, kann also leicht so gelesen werden, dass es besonders intelligent sei, diese Partei zu wählen. Einen besseren Ruf kann sich eine Partei kaum wünschen.
Aber ist der Anteil an Akademikern unter den Wählern einer Partei wirklich eine Folge der benötigten Intelligenz, diese Partei zu wählen?
Der Hauptkritikpunkt an der Enthaltung Deutschlands, sich am Lybien-Krieg zu beteiligen, gründet in dem Umstand, dass Deutschland damit allein stehe und sich isolieren könnte.
Der Hauptärger über den Irak-Krieg wurde zumindest angestachelt, als klar wurde, dass Amerika unter Bush einen Krieg, den es für richtig hält, notfalls auch ohne Partner durchzieht.
Da jetzt auch grüne Politiker ganz offen für einen Kriegseinsatz der Bundeswehr sind, wird deutlich, wie sehr gerade diese beiden Punkte ins Gewicht fallen, denn alles, was an trauriger Kriegsphilosophie während des Irakkrieges über deutsche Medien ventiliert wurde, scheint auf einmal weit weg zu sein.
Viele Politiker haben in den letzten Tagen ihr Herz für die Wissenschaft entdeckt und das ist natürlich erfreulich. Sie bedauerten - vermutlich ernsthaft und zutiefst - die Konsequenzen, die Guttenbergs Dissertation für den “Wissenschaftsstandort Deutschland” (z.B. Herr Gysi) hätte, wenn er weiter Politiker geblieben wäre. Aber auch die Wissenschaftler selbst sind erleichtert, dass nicht der Eindruck entstehe, es sei im Bereich der Wissenschaft alles “Lug und Trug” und habe keine “Konsequenzen für die berufliche Laufbahn".
Herr Guttenberg wird vermutlich beruflich nicht allzu tief fallen, trotzdem bedeutete die “Konsequenz für seine berufliche Laufbahn", dass er wenn es nach der Opposition ginge, ein Berufsverbot erhielte. Nun gibt natürlich auch den promovierten Taxifahrer. Angenommen, es käme heraus, dass er bei seiner Dissertation das Urheberrech verletzt hätte. Müsste er seinen Beruf aufgeben? Sein Titel würde ihm aberkannt, und u.U. müsste auch er sich vor Gericht wegen Verletzung des Urheberrechtes verantworten. Aber ein Berufsverbot als Taxifahrer? Soweit würde man wohl kaum gehen. Anders sieht der Fall freilich bei einem Wissenschaftler aus, denn für ihn bedeutet eine Aberkennung des Titels vermutlich durchaus das Ende seiner wissenschaftlichen Karriere.
Genau genommen “muss” ein Minister überhaupt nicht zurücktreten, es ist vielmehr eine Interessenabwägung der Partei. Trotzdem wäre es gut, wenn man sich als Bürger ein paar Kriterien überlegt, ab wann man eine Rücktrittsforderung ernst nimmt, und wann man sie einfach als politisches Mittel einsetzt. Niemand behauptet, dass ein Minister keine Fehler machen darf - auch im vollen juristischen Sinn. Einen Rücktritt erwarte ich allerdings dann, wenn das Strafmaß in den Bereich der Bewährungsstrafe hineinreicht. Bei Beamten gibt es eine ähnliche Grenze, aber der man als Beamter mit Pensionskürzungen bestraft wird.
Anders sieht der Fall aus, wenn die Amtsgeschäfte direkt betroffen sind: also wenn ein Minister falsche Wahlversprechen macht, korrupt ist, Steuergelder für private Zwecke vewendet etc…
Im Fall Guttenbergs dürfte das Strafmaß - wenn es ein solches überhaupt geben wird - wohl kaum an eine Bewährungsstrafe heranreichen. Die Schuld wird vor allem von der Uni festgestellt, die den Titel verliehen hat.
Ein anderes Problem wiegt in diesem Fall für meinen Geschmack viel schwerer: die Tatsache, dass Herr Guttenberg aller Wahrscheinlichkeit nach den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für seine private Dissertation verwendet hat. Das Problem ist nur, dass diese Praxis auch bei anderen Abgeordneten üblich zu sein scheint und sich daher politische nicht ausschlachten lässt. Alle Politiker, die jetzt laut aufjaulen und ihre moralische Seite wiederentdecken, heucheln, solange sie den Missbrauch des wissenschaflichen Dienstes im Falle Guttenbergs übersehen.
Zumindest scheint es kein Problem mehr zu sein, oder wenigstens keins, über das noch diskutiert wird. Die Älteren unter uns können sich vielleicht noch an die Zeiten erinnern, als wir alle über CO2-Abgabe, Spritverbauch und CO2-neutrale Produkte nachgedacht haben, wir haben mit kleinen Eisbären auf treibenden Eisschollen mitgezittert…und jetzt? Alles vom Tisch. Kein Mensch spricht mehr darüber. Tausende von Wissenschaftlern haben für eine Änderung der Politik plädiert, Europa hat Milliarden-schwere Programme zur Rettung des Weltklimas ausgegeben, obwohl jeder wusste, dass so ein Wandel des Klimas sich schwer und wenn überhaupt nur wenig stoppen lässt. Wir haben in Filmen den Untergang der Welt verfolgt - der natürlich durch den Klimawandel eintrat - und schon die armen Holländer bedauert.
Ich bin kein Naturwissenschaftler und verstehe von Klimaforschung nicht viel. Das Einzige, was ich zu bedenken gegeben habe, war, dass es sich hierbei um ein Thema handelt, dass sich politisch sehr wirkungsvoll einsetzen lässt und das deswegen mit Skepsis verfolgt werden sollte. Es war das Lieblingsthema der Grünen, die mit einem globalen Thema ihre Position in Europa und weltweit weiter zu stärken versuchten. Das spricht weder gegen die wissenschaftlichen Ergebnisse noch dagegen, sein Auto nach Möglichkeit nicht zu benutzen. Es spielt aber sehr wohl eine Rolle für die Frage, wie massiv das Thema in die Öffentlichkeit gebracht wird.
Nun kam den Grünen allerdings die CDU dazwischen, weil Frau Merkel klug erkannt hat, dass man hier freiwillig viel politisches Potential verschenken würde und hat sich zur Gallionsfigur des Klimaschutzes gemacht. Erst haben die Grünen darüber noch ein bisschen gespottet, aber sie mussten widerwillig einsehen, dass das Thema nun verloren war - seitdem hört man davon nichts mehr.
Stattdessen haben sie ein neues profilbildendes Gebiet gefunden: die Atompolitik. Klar, ich will weder den Atommüll in meinem Garten noch in dem Garten meines Nachbarn haben. Aber ich will auch nicht tausend Windräder in der Nachbarschaft haben, ich mag keinen Übertage-Abbau, keine Kohlenbergwerke, ich finde die Gülle-Energie-Tanks hässlich, ärgere mich über Tiefsee-Bohrungen, und sämtlichen anderen Bohrungen, ich finde es furchtbar, wenn alle anfangen, ihre Häuser mit Holz zu heizen, weil das die Luft am stärksten mit einem fiesen Coctail aus Abgasen belastet und erbärmlich stinkt…das einzige Mittel zur Energiegewinnung, das ich mag, sind Solarzellen. Und - oh Wunder - die Grünen werben vor allem damit. Wunderbar. Nur weiß jeder, dass man mit Solarzellen den Energiebedarf selbst bei sparsamer Lebensweise nicht annähernd decken kann. Die Atomenergie ist für Umwelt und Klimaschutz am besten, die Nachteile liegen leider ebenso auf der Hand: das unkalkulierbare Risiko, das der Restmüll birgt und die gesundheitlichen Risiken eines GAUs, der zwar mit den modernen AKWs immer unwahrscheinlicher aber nie auszuschließen ist. Eine Lösung habe ich auch zu diesem Thema nicht anzubieten, aber fallsl jemand sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen möchte, sollte er seine Tageszeitung oder - noch wichtiger - seine Wochenzeitung ignorieren und sich solide und etwas beständigere Quellen wählen als politische Informations-Plattformen.
Die tagesschau galt seit jahrzehnten in Deutschland als Muster für ausgewogene Berichterstattung und Neutralität. Leider ist bei dieser Firma wie bei vielen anderen auch der Eintritt ins Internet nicht ohne politische Zuspitzung abgelaufen. Vielleicht liegt es daran, dass sich vor allem die jüngeren Kollegen dort engagieren, die Temperament mehr schätzen als journalistische Disziplin, vielleicht liegt es daran, dass man glaubte, im Internet auch durch niedriges Niveau noch positiv auffallen zu können, wie auch immer, die Berichterstattung ist weniger neutral, als sie es mal war.
Ein Beispiel für diesen Trend ist die heutige Zusammenfassung von ARD-DeutschlandTrend.
Die Grünen sind im Allzeithoch und würden laut Umfragen bei einer Bundestagswahl 18% erreichen. Das eigentlich Interessante aber ist nicht die Zahl an sich, sondern die Zusammensetzung der Wählerschaft: die Grünen haben nach der FDP die meisten hochverdienenden Wähler!
Die Wählerschaft weist überdurchschnittlich hohe Bildungsabschlüsse aus und ist gerade unter Journalisten erste Wahl.
Diese Faktoren sind entscheidend, wenn man den wirklichen Einfluss einschätzen möchte. Denn bei dieser Wählerschaft handelt es sich um Multiplikatoren. Ein christlicher Soziologe hat mir vor 18 Jahren mal gesagt, er sehe in 20 Jahren (war damals noch weit weg…) keine andere ernst zu nehmende politische Kraft außer den Grünen, er wüsste absolut nicht, wie es sich anders entwickeln sollte. Die Grünen hatten damals noch knapp über 5%.
Die Mechanismen, von denen die Grünen heute profitieren, und die ihre Wählerschaft in dem gewünschten Maß programmiert haben, waren damals schon angelegt und unwiderruflich installiert.
Prof. Norbert Bolz ist schon seit Jahren mein großer medienphilosophischer Held … eben bei Anne Will bezeichnete er die Veröffentlichung von Sarrazins Buch als “historische Zäsur” … Das fand ich schon wirklich sehr beeindruckend … auf der Suche nach seinen aktuellsten Artikeln erhielt ich witzigerweise über die … haltet Euch fest … “World SocialistWeb? Site” [-> http://www.wsws.org/de/2010/aug2010/pers-a18.shtml ] den Hinweis, dass er Mitte August der Gründung einer neuen Rechtspartei das Wort geredet hatte … Aber lest selbst …
Die rot-grüne Regierung in NRW möchte die Studiengebühren abschaffen. Das war ein typisches Landesthema, mit dem SPD und Grüne auch in anderen Bundesländern punkten möchten. In der Debatte wird immer der Eindruck erweckt, man ermögliche durch eine kostenlose “Bildung für alle” besonders gute Voraussetzungen für Chancengleichheit. Aber stimmt das wirklich?
In den USA gibt es die höchsten Studiengebühren der Welt. An den Spitzenuniversitäten zahlt man hohe 5stellige Beiträge pro Semester! Trotzdem studieren gerade dort sehr viele Schwarze, und “sehr viele” bedeutet in Relation zu ihrem Bevölkerungsanteil. Tatsächlich ist das Stipendiensystem dort so wirkungsvoll, dass man wirklich die Ärmsten Menschen aus aller Welt rekrutiert - wenn sie begabt genug sind - und so Vielfalt, Chancengleicheit und Qualität unter einen Hut bekommt. Die Universitäten in den USA sind der Ort, an dem Reichtum am wirkungsvollsten umverteilt wird, denn diejenigen, die es sich leisten können, zahlen horrende Beiträge. Wer es sich nicht leisten kann, erhält ein Stipendium - wie gesagt: Talent vorausgesetzt.