Kategorie: Entwicklung

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11.06.09

Wie Familie und Kirche die bürgerlichen Freiheiten sichern (sollten)

Familie und Kirche erscheinen vielen als eng. Die Kirche wacht über der Lebensführung ihrer Mitglieder und die Eltern über dem Leben der Kinder. Man könnte also das Gefühl haben, dass beide Institutionen eigentlich nur eine Quelle der Einschränkungen sind, die es abzuschütteln gilt. Tatsächlich sind diese Institutionen die Voraussetzungen dafür, dass der Staat einen Gang runter schalten kann. Wo es kein Verbrechen gibt, braucht man auch kein Gesetz. Erst wenn das Verbrechen auftaucht, spricht man von einer “Gesetzeslücke". Und selbst wenn es das Gesetz gibt, muss der Staat die Kontrolle nur so weit treiben, wie es das Maß an Gesetzesübertretungen erfordert. Wenn z.B. das Betreten einer Wiese verboten ist - z.B. weil dort ein Nistgebiet einer vom aussterben bedrohten Vogelart ist - und sich alle daran halten, genügt ein einfaches Schild und niemand muss sich darum kümmern. Wenn alle paar Jahre mal ein Chaot das Gebiet betritt, wird sich daran nicht viel ändern. Wahrscheinlich genügt sogar zunächst ein Schild “Bitte nehmen Sie Rücksicht auf brütende Gänse” o.ä., und erst später ist ein ausdrückliches Verbot nötig. Zunächst kommt man mit Bußgeldern, später wird mit Anzeigen gedroht. Wenn es häufiger vorkommt, dass Spaziergänger das Verbot missachten, wird aber irgendwann jemand nötig, der regelmäßig dort die Grenzen abgeht und gegebenenfalls Bußgelder verhängt. Je nachdem, wie reizvoll das Betreten ist, oder vielleicht, weil es zum politischen Kampfplatz wird, reicht ein einzelner Aufpasser nicht mehr aus, und man fängt an, gewaltige Zäune zu bauen, Überwachungskameras zu installieren, die Strafen zu verschärfen etc… oder das Verbot einfach von der Masse überrennen zu lassen.

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27.05.09

Struktur und Meinung

Die Älteren unter uns können sich vielleicht noch an Eva Herman erinnern. Sie war Journalistin und wurde aus ihrem Berufsstand ausgespuckt, weil sie die politisch falsche Meinung über Autobahnen hatte oder so ähnlich. Aber eigentlich war allen ziemlich klar, dass ihr eigentliches Vergehen ihr Versuch war, in diversen Veröffentlichungen die Rolle der Frau als Mutter zu stärken.
Der nahe liegende Vorwurf, sie sei ja selbst eine Karrierefrau, die sich nicht aufs Muttersein beschränkt habe, kam natürlich prompt und traf voll ins Schwarze. Aber dieser Vorwurf offenbarte eigentlich ein Dilemma mit weitreichenden Folgen: es ist aus strukturellen Gründen unmöglich, eine andere Position als den Feminismus in der Öffentlichkeit zu finden. Alle Frauen, die in Politik und Medien arbeiten, haben sich bereits für ein Modell entschieden, je mächtiger und einflussreicher sie sind, desto stärker kommt dieser Effekt zum Tragen. Auf diese Weise kann sich eine politische Haltung in kürzester Zeit parteiübergreifend durchsetzen, ohne, dass sie jemals diskutiert oder ernsthaft in Frage gestellt wurde.
Das psychologische Konzept, das dabei im Hintergrund arbeitet, ist der bekannte Wunsch des Menschen, kognitive Dissonanzen zu vermeiden. Also im Klartext bedeutet es, dass Menschen versuchen, Widersprüche zwischen Leben und Denken oder Gefühlen und Denken zu vermeiden. Das klingt integer, weil man im ersten Moment an die Fälle denkt, wo sich das Handeln an den Überzeugungen orientiert. Die Vermeidung kognitiver Dissonanzen ist aber in der Regel eine kognitive Vermeidung, d.h. das Denken wird an das Handeln angepasst.

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23.05.09

"Sexueller Totalitarismus"

Unter dem gleichnamigen Titel ist derzeit ein aufschlussreicher Essay der Publizistin Gabriele Kuby auf der Homepage des christlichen Informationsforums “Medrum” zu lesen.
Auch wenn ich an dieser Stelle vor ihrer Marien-Begeisterung warnen möchte, ist dieser Text in meinen Augen lesenswert.


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22.05.09

Das Ende des Internets

Jede Gesellschaft bringt die Technik hervor, die sie braucht. Und ebenso kann sie die Technik auch wieder ablegen, wie einen Wintermantel. Dieser Gedanke ist schwer verdaulich in einer Kultur, die vom Mythos der ewigen Evolution allen Lebens geprägt ist. Wir haben doch eher das Bild, dass die Technik wie eine großer Turm ist, bei dem zwar jede Etage auf der darunter liegenden aufbaut, aber die Richtung immer gleich bleibt, nämlich steil nach oben.
Tatsächlich können Wissenschaften aussterben oder doch zur Bedeutungslosigkeit herabsinken. Heute wird jemand, der sich mit dem Verlauf der Gestirne auskennt, nicht mehr berühmt. In westlichen Kulturen ist die Kunst des Fährtenlesens praktisch ausgestorben. Von vielen Techniken alter Kulturen scheinen wir noch nicht einmal zu wissen, dass es sie gab, nur dass wir ihre kulturellen Leistungen nicht erklären können. Seefahrernationen haben Schifsrümpfe entwickelt, vor denen noch ein moderner Bootsbauer beeindruckt ist. Theologen konnten im Mittelalter berühmt werden, wenn sie es schafften, eine Synthese zwischen der Bibel und den berühmten antiken Autoren zu konstruieren. Heute könnten sie mit dieser Kunst kaum noch einen Kurs in einer Volkshochschule voll kriegen.
Wer sich für das Thema interessiert, wird in dem Buch „Der Untergang des Abendlandes“ noch erstaunlichere Beispiele aus der Mathematik finden. Wir haben nicht nur weiter entwickelt, sondern auch viel Wissen und viele Fertigkeiten verloren. Das muss kein Grund zum Klagen sein, aber man fängt natürlich an zu fragen, wieso unsere Gesellschaft gerade ihre Techniken entwickelt hat, und ob sie möglicherweise irgendwann aussterben.
Ich möchte das mal anhand des Internets durchspielen, eine Technik, von der man sich kaum vorstellen kann, dass eine Gesellschaft auf sie einmal verzichten wird. Es ist aber denkbar, dass es sich in wenigen Jahrzehnten zu einer reinen Datenbank entwickeln wird und Chats und Foren aussterben werden.

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18.05.09

Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken?

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05.05.09

Wer sind die Evangelikalen?

Da die natürlichen Feinde des Christentums derzeit mit allem Charme daran arbeiten, ihre Gegner zu kriminalisieren und aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, stellen sich Christen nach jahrzehntelangem Kuschelkurs heute ganz offen zu ihrem Glauben und beantworten damit die Frage: Wer sind die Evangelikalen?


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05.12.08

Grundlagen einer christlichen Wirtschaftsordnung

Die Finanzkrise und die zu erwartende Rezession haben tiefgreifende Zweifel an unserer Wirtschaftsordnung geweckt - die allerdings auch nicht sehr tief geschlafen haben. Die Vorschläge sind aber alle altbekannt und bewegen sich auf einer Skala, auf der die Lenkmöglichkeiten des Staates stufenlos gesteigert oder gesenkt werden. Da unsere derzeitige soziale Marktwirtschaft sich irgendwo zwischen den Extremen bewegt, bewegen sich beide Lager zu den Extremen und fordern entweder den Sozialismus oder die völlige Freigabe des Marktes.

Aber sind das wirklich die Alternativen? Muss man sich auf dieser Skala bewegen, auf der man sich nur zwischen Elend der Armen und Diktatur entscheiden kann oder einer beliebigen Mischung aus beidem?
Der Sozialismus verhindert jedes wirtschatliche Denken sowohl bei Bürgern als auch bei der Regierung, die irgendwie alle in kürzester Zeit bettelarm sind. Und in der freien Marktwirtschaft gibt es keine effektiven Mittel gegen die Kapital-Akkumulation, die wiederum die wirtschaftlichen Freiheiten der Ärmsten empfindlich beschneidet. Denn egal was man produzieren will, es gibt immer irgendwo ein Unternehmen dafür, dass jedes Gut zu einem Bruchteil des Preises in perfekter Qualität vertreibt. Wer sich selbstständig machen will kann in der Regel nicht viel mehr als seine Arbeitskraft anbieten und die ist nicht mehr viel wert, weil alle wichtigen Güter schon billig mit wenig Personalaufwand produziert werden. Die Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung sind dabei die Banken, die das nötige Kapital zu Verfügung stellen. Unsere Wirtschaft lebt davon, dass Zinsnahme akzeptiert ist, was ja bis zur Reformation in Europa nicht der Fall war. Mit dem Geld steht dem Markt daher ein Gut zu Verfügung, das theoretisch unbegrenzt vermehrt werden kann, unabhängig von der technischen Entwicklung und der Arbeitskraft der Menschen ist. Es kann ohne nennenswerte Verzögerung um den Globus wandern und das in unbegrenztem Ausmaß. Da dieses Gut aber gleichzeitig das anerkannte Tauschmittel gegenüber allen anderen Gütern ist, nimmt der ganze Markt die Eigenschaften des Geldes an: jedes noch so große Unternehmen kann auf der ganzen Welt gekauft werden und eine beliebig große Menge kann sich theoretisch auf eine beliebig kleine Bevölkerungsgruppe konzentrieren. Durch die Finanzwirtschaft wird das Wirtschaftsleben erst leichtflüssig. Alle Eigenschaften des freien Marktes werden auf dem Gebiet der Geldwirtschaft ins Unbegrenzte gesteigert. Wenn es in der Wirtschaft gilt, dass derjenige mit dem höheren Kapital auch bessere Verkaufschancen hat, dann gilt das für das Geld im engeren Sinn noch mehr. Hier besteht ja die ganze Leistung in nichts anderem als darin, Geld zu besitzen. Je mehr man hat, desto mehr kann man damit verdienen (wenn man davon ausgeht, dass so Einflüsse wie Talent und Glück in der Bevölkerung einigermaßen nach dem Zufallsprinzip verteilt sind). Und zwar nicht nur beliebig viel sondern auch fast beliebig schnell - je mehr desto schneller. Das Ganze funktioniert naturgemäß nur eine zeitlang, wie man sich an einer einfachen Rechnung veranschaulichen kann, auf die mich ein Freund gestoßen hat: stellen wir uns vor, ein Vorfahre von uns hätte zu Lebzeiten Jesu einen Cent auf sein Sparbuch gezahlt und dort mit 2,5% verzinst. Was könnten wir dann heute erben? Mehrere Tausend €? Nein. Die korrekte Zahl lautet: 28.036.951.059.598.430.000,00 € (nach 2000 Jahren Laufzeit). Das ist ein Vielfaches des gesamten auf der Welt verfügbaren Geldvolumens. Es ist völlig offensichtlich, dass Zinsnahme daher nur für kurze Laufzeiten funktioniert und die Realität den Finanzmarkt in regelmäßigen Abständen in Form von Inflationen, Revolutionen, Kriegen und Währungsreformen einholen muss. Man darf sich über so etwas nicht wundern.

Als ich diese Zahl gehört habe, habe ich zum ersten Mal verstanden, wie klug es von Gott war, Zinsnahme zu verbieten… Mit diesem viel belächelten Mittel hat er nicht nur die Ausbeutung der Armen verhindert sondern auch dem Markt eine potente Schranke verpasst. Außerdem verbot er den Israeliten, ihren Grundbesitz zu verkaufen, der am Anfang gleichmäßig an die Sippen aufgeteilt wurde. Auf diese Weise hat er verhindert, dass eben jenes Gut, von dem es eben nur eine begrenzte Menge gibt - nämlich den Boden - , sich in den Händen weniger anhäuft (dass dies dann doch geschah, lag daran, weil sich offenbar viele nicht an dieses Verbot gehalten haben). Selbst der dümmste und faulste Mensch hatte so immerhin noch ein Grundkapital, dass ihm bei dem nötigen Fleiß ähnliche Verdienstchancen ermöglichte wie allen anderen.

Mit dieser Gesellschaftsordnung ist nicht der Staat der Lenker des wirtschaftlichen Geschehens sondern jeder Einzelne bzw. jede Familie. Durch die einfachen und überwachbaren Sanktionen, dass kein Grundstück verkauft werden und keine Zinsen erhoben werden dürfen, wird wirtschaftliches Arbeiten ermöglicht ohne die Gefahr einer unbegrenzten Kapitalakkumulation. Statt einer Revolution bräuchte man dann nur eine “Flurbereinigung” wie sich in der Landwirtschaft ohnehin in regelmäßigen Abständen und unter viel Gezank nötig ist. Alles Land würde unter den Familien aufgeteilt. Damit es aber nicht zu einer Aufteilung des Landes käme, die wieder die Lebensbedingungen innerhalb von wenigen Generationen vernichten, müsste man den Erbbesitz auf ein Kind (im AT der älteste Sohn) beschränken, das dafür für seine alten Eltern sorgen und seine Geschwister mit der Hälfte des Besitzes auszahlen muss.

Darüber hinaus gibt es im AT noch weitere Gesetze, die vor allem den Armen schützen sollten. Niemand sollte um sein lebesnotwendiges Kapital gebracht werden. Auf die entsprechenden Regeln will ich hier aber nicht im Einzelnen eingehen.

Die Vorstellung, dass der freie Markt sich von selbst reguliert und dabei allen den größten Nutzen bringt, ist der Evolutionstheorie entlehnt (die im gleichen Jahrhundert entwickelt wurde) und funktioniert weder in der Theorie noch in der Praxis. Denn so wie die Evolutionstheorie kalt einfach mit dem Tod der meisten Tiere rechnet, so rechnet der Markt mit dem Untergang der Ärmsten.


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30.10.08

Technik und Politik

Die technische Entwicklung beeinflusst unser Gehirn, sie prägt unseren Alltag, sie lässt Berufe sterben und aufblühen. Aber bisher wurde m.W. (ich lasse mich gerne eines Besseren belehren) wenig über ihren Einfluss auf die Politik nachgedacht.
Welche Auswirkungen hat es auf eine politische Kultur, wenn geistige Arbeit von elektronischen Helfern erledigt wird? Denn darum geht es ja: alles, was wir heute an Beispielen für moderne technische Entwicklung anführen würden, wären Beispiele, in denen es darum geht, das Gehirn zu entlasten. Elektronik entlastet unser Gehirn als Speicher, es entlastet uns von Recherchen, die Suchmaschinen für uns erledigen. Es entlastet uns vor unangenehmen Gedanken, indem wir Musik hören, gegen virtuelle Gegner spielen, oder Filme sehen - und zwar jederzeit und überall.
Spätestens, seit es mp3-Player gibt, muss niemand mehr Langeweile ertragen oder sich mit schweren Gedanken plagen, wenn er nicht will.

Welche Entwicklung wir durchgemacht haben, kann man am besten erkennen, wenn man sich die Aufmerksamkeitsspanne früherer Zuhörer vor Augen führt:

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15.07.08

Kann die Natur uns retten?

Wenn sie es nicht kann, läuft die westliche Welt geschlossen und konzentriert in die Irre, denn Klima- und Umweltschutz haben sich zur bestimmenden Kollektivsorge eines ganzen Kulturkreises entwickelt. Und wo es nicht darum geht, den Zustand seiner sog. “Umwelt” zu retten, sucht der Mensch im Privaten das natürliche Leben und die eigene Natur und führt auf diese Weise seinen persönlichen Kampf gegen den vermeintlichen Naturverlust fort (einfach mal unter “Naturmystik” googlen).

Die Überschrift “Kann die Natur uns retten?” habe ich einer kurzen Erzählung des Pastors Wilhelm Busch entlehnt, mit der er die Frage auf schlichte Weise beantwortet.

Für alle, die sich von dieser weitsichtigen Ermahnung aus den 60er Jahren nicht ablenken lassen wollen, möchte ich hier auf die Zukunft der Natur hinweisen: die Natur ist endlich! Die Sonne wird erkalten und irgendwann erlöschen, der zweite Hauptsatz der Thermodynamik ist unumkehrbar und die Bevölkerung wächst exponentiell, während sich die Anbauflächen nur linear vermehren lassen (die bewohnbare Fläche der Erde ist ohnehin begrenzt), d.h. es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Menschen zwischen Essen und Atmen entscheiden müssen.
Die Welt ist nicht für die Ewigkeit geschaffen sondern todverfallen, sie trägt die Zeichen des Todes überall. Sie kann daher den Blick auf Gottes Herrlickeit lenken, aber sie wiederspiegelt sie nur noch unvollkommen.
Auch hier möchte ich darauf hinweisen, dass mir Naturschutz am Herzen liegt. Aber ich bin überzeugt davon, dass es eine Torheit ist, seine Hoffnung auf die Natur zu richten.
Und falls sich jemand darauf zurückziehen möchte, dass das Ende der Welt noch ziemlich weit entfernt ist, muss er sich daran erinnern lassen, dass es seine eigene Natur ist, die ihn töten wird, sofern er nicht eines “unnatürlichen” Todes sterben sollte. Denn nicht die Atombombe, nicht die Handfeuerwaffe und auch nicht die Todesstrafe sind die größten Killer, sondern die Natur des Menschen. Wobei es eine Frage der Definition des “natürlichen” Todes ist, ob man die über 200 000 Opfer des Tsunami, die innerhalb von Stunden sinnlos von der Natur hinweggerafft wurden, dazuzählt oder nicht.
Wenn mir die Natur also am Herzen liegt, dann nicht, weil sie mich retten kann, sondern weil sie mich auf meinen Retter verweist. Sie lehrt mich staunen (und fürchten) und sie lehrt mich vor allem den Blick nach oben zu richten, von wo jedes Lebewesen seine Kraft und sein Leben empfängt. Aber sie lehrt mich auch, über sie hinaus zu sehen, weil ich zwar die Trümmer der Herrlichkeit in ihr erkenne aber nicht mehr die Herrlichkeit selbst. So wird die Natur mir zur ersten Lehrerin der Güte Gottes und zur Mahnerin seines Gerichtes und lässt mich ohne Entschuldigung vor ihm stehen. Die Entschuldigung finde ich nur im Evangelium.


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21.06.08

Das Vermögen des verlorenen Sohnes

Das Gleichnis “Vom verlorenen Sohn” (Lukas 15, 11-32) dürfte einer der bekanntesten Texte des Neuen Testamentes sein. Ich möchte hier nur auf einen Aspekt eingehen, der auch eine politische Bedeutung enthält: das Vermögen des verlorenen Sohnes. Die Geschichte kennt nicht nur die Phase, in der es dem Sohn gut ging, solange er bei seinem Vater war, und die Phase, wo es ihm in der Fremde schlecht geht, sondern sie enthält eine Phase, in der es ihm getrennt von seinem Vater sogar gut ging - und zwar unglaublich gut. Nachdem er sich sein ganzes Erbe vorzeitig auszahlen ließ und davon zog, “weg in ein fernes Land", vergeudete er sein Vermögen, “indem er verschwenderisch lebte". Das ist nichts, was Jesus noch umständlich ausführen müsste, weil jeder weiß, wie ein verschwenderischer Lebensstil der Reichen aussieht. Der Sohn zählte eine Zeit lang zu den reichen im Lande. Er musste nicht arbeiten, konnte großzügig sein und sich so eine angenehme und lustige Gesellschaft sichern. Er lästerte über die erniedrigende Arbeit bei seinem Vater und die vielen Regeln, die auf einem Hof einzuhalten waren. Und seine Freund hörten seine lästerlichen Reden sicher gerne und genossen seinen lockeren Umgang mit Geld. Er war für viele ein Vorbild und lockte sicher auch ärmere an, die glaubten, bei ihm neben dem Geld auch den gleichen verschwenderischen Lebensstil annehmen zu können. Er war bekannter als zuvor, genoss größeres Ansehen bei den Menschen und vor allem hatte er mehr Sex (V.30).

Aber egal wie verlockend man sich diese Phase ausmalt, sie behält für den Leser immer einen drohenden Unterton, denn jeder Mensch, der auch nur halbwegs bei Sinnen ist, weiß, dass dieser Lebensstil ein Leben aus der Reserve ist - ohne die Hoffnung, diese wieder auffüllen zu können. Und das Gleichnis nimmt dann seinen vorhersehbaren Verlauf. Und es endet - für alle, die es doch nicht kennen - sehr unvorhersehbar.

Mit dieser Phase des verschwenderischen Wohlstandes hat Jesus den Zustand eines Menschen gekennzeichnet, der sich vom Glauben lossagt und “weit weg” von seinem himmlischen Vater leben will. Diesem Menschen wird es nicht nur eine ganze Weile gut gehen, sondern es wird ihm vielleicht eine Weile besser gehen als denen, die nicht fortgelaufen sind. Und es geht ihm auch besser als den meisten, die nie Christen waren, denn er kann den Reichtum seines Vaters mit vollen Händen verprassen. Ich habe mich gefragt: Stimmt das denn? Kann man das über Ex-Christen sagen? Womit “prassen” sie denn?
Die Frage ist nicht von der Hand zu weisen, denn das Gleichnis hätte auch ohne diesen Reichtum funktioniert: der Sohn hätte sich doch auch ohne das Geld seines Vaters absetzen und in Armut geraten können. Was mag Jesus mit dem Geld gemeint haben?

Als Erstes musste ich an den tatsächlichen Reichtum in christlichen Kulturen denken. Durch die christliche Arbeitsmoral und das Verhältnis zur Welt, sind christliche Kulturen durchgehend reicher als nicht-christliche. Und selbst in Ländern, die sich vom Christentum abwenden, wird der Reichtum vermutlich noch ein paar Jahrzehnte vorhalten, bis er endgültig verprasst, verteilt und vernichtet ist. Ein weiteres Gut ist die Prägung eines Volkes: auch ein Mensch, der sich als Atheist betrachtet, wird nicht gleich sein von seine christliche Prägung abschütteln sondern weiter arbeiten und zu einem großen Teil auch die gleichen Werte übernehmen, die er von seiner christlichen Umgebung gelernt hat - natürlich nicht, ohne sie anders zu begründen.
Wie lange so ein Abbau dauert, kann wohl niemand vorhersagen. Aber eins ist sicher: wenn die Grundlagen des Reichtums versiegt oder verstopft sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Reichtum erschöpft ist. Es wäre daher töricht, Länder danach zu beurteilen, unter welchen Umständen sie ihren Reichtum leben, man muss vielmehr danach fragen, unter welchen Umständen sie reich geworden sind.

Die Beispiele bezogen sich bisher allerdings nur auf Gesellschaften und beschrieben Entwicklungen, die nicht immer auf das Schicksal eines Individuums übertragen werden können. Es gibt genug Menschen, die nach ihrer Abkehr vom Christentum weder mehr noch weniger Geld haben, die ihr Leben mehr oder weniger unverändert lassen oder sich nach ihrer Abkehr von Gott in die Gosse stürzten.
Es gibt aber noch eine dritte Deutung für den Reichtum des verlorenen Sohnes, der sich auch sicher auf den einzelnen Menschen übertragen lässt, der sich vom Christentum entfernt, und das ist der geistliche Reichtum. Jeder Christ, auch wenn er nicht gerade in einer Hoch-Phase seines Glaubens steckt, weiß um die Hoffnung auf das ewige Leben und den unglaublichen Reichtum, der in dem Wissen verborgen liegt, das David in Psalm 16,5 beschreibt, wenn er singt: “Der Herr ist mein Gut und mein Teil". Denn wie sollte Gott uns nicht auch alles von seinen Gütern geben, die ihm gehören, für den die Erde nur der Fußschemel seiner Füße ist?
Jemand, der vor Gott flieht und diese Hoffnung geschmeckt hat, wird dies wohl oft in der Hoffnung tun, dadurch sein Leben einfach von verschiedenen Pflichten und Lasten zu befreien, aber er will den Reichtum seines Vaters mitnehmen. Und dann muss er erleben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis bei ihm die Erkenntnis durchsickert, dass nichts davon bleibt, weil er es mit beiden Händen vergeudet hat.
Aber selbst dann kann er sich noch an seinem nach-christlichen Umfeld mitziehen lassen, und sich und andere glauben machen, dass er keine Angst vor dem Tod habe und natürlich keine Angst vor Gott haben müsse.
Doch auch wenn der geistliche Reichtum einer ganzen Gesellschaft langsamer abgebaut wird als im Leben des Einzelnen, wird er auch hier und vielleicht sogar um so gründlicher abgebaut. Zur Zeit leben wir noch in einer Phase, in der die Menschen mit nicht-christlichen Überzeugungen und heidnischen Religionen eher spielen. D.h. sie übernehmen bestimmte Kulte in dem Wissen, jederzeit wieder in ihr altes bürgerliches, nach-christliches Leben zurückkehren zu können. Noch deutlicher ist die offensichtliche Übereinstimmung dieser vermeintlich alten Kulte mit der modernen political correctness, die sie eher wie am Reißbrett entworfen erscheinen lässt. Eine wirkliche Religion werden sie erst dann, wenn ihre Anhänger nicht mehr das Gefühl haben, sich einen Glauben nach ihren Vorstellungen zu entwerfen, sondern zu dem Gefühl, dem woran sie glauben, unterworfen zu sein auf die Überzeugung kommt.
Sie kaufen Bücher, in denen christliche Werte systematisch verworfen werden, ohne diese doch selbst wirklich konsequent zu verwerfen - das wäre ein zu starker Schlag gegen ihre Prägung. Aber es wird wohl die Zeit kommen, in der die Phase des Vergeudens vorbei ist. Und viele Neu-Heiden werden dann zum ersten Mal wirkliche Angst vor ihren Geistern erleben und sie werden sich an Rituale gewöhnen, die zur Besänftigung der Geister dienen sollen, vor denen ihnen jetzt noch schaudern würde. Das Gefühl, Religion müsse sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen ist ein Wahn des Überganges, in dem gleichzeitig noch die Sicherheit des christlichen Reichtums gefühlt aber das Christentum selbst abgelehnt wird. Im Christentum gibt es keinen Grund zur Angst vor bösen Geistern, weil Christus Herr über die Geister ist. Diese Furchtlosigkeit herrscht jetzt auch noch bei denen vor, die eigentlich nicht mehr an Jesus glauben und mit dem Geisterglauben nur spielen. Aber dieses Erbe wird eines Tages eschöpft sein - bei dem einen früher, bei dem anderen später.
Und vielleicht müssen wir als Christen bis zu diesem schrecklichen Tag abwarten, weil erst dann Menschen in Europa wieder die einzige notwendige Botschaft hören wollen von dem Gott, der seinen Sohn Mensch werden ließ, um durch ihn die Sünden der Welt weg zu nehmen.


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Bei uns in Deutschland sind die sympathischen Konservativen in der Regel Wertkonservative, die die Werte des christlichen Abendlands gegen den postmodernen Zeitgeist bewahren möchten … in den USA gibt es Konservative, die für einen Compassionate Conservatism also für einen mit den Armen "mitfühlenden Konservatismus" stehen ... und dort gibt es auch eine immer größer werdende Gruppe von wiedergeborenen Christen, die für ihr Land und ihre Regierung beten sowie für eine christlich fundierte Politik eintreten ... nennen wir sie einfach TheoKonservative oder kurz theocons. Wir, die Blogger von theocons.de sehen uns nicht unbedingt als konservativ im altdeutschen Sinne, sondern als deutsche amerika- und israelfreundliche Christen, die politisch interessierte Menschen in Deutschland wieder neu für den dreieinigen Gott, christliche Werte und ein biblisch fundiertes christliches Menschenbild als Grundlage für eine gute Politik gewinnen wollen.

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