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Dieser Beitrag ist eigentlich ein Unterpunkt zu dem Beitrag “Struktur und Meinung“, in dem es mir darum ging zu zeigen, wie Entwicklungen durch Strukturen gebahnt oder zumindest begünstigt werden.
Hier soll es darum gehen, welche Bahnen es in den freien Medien gibt.
Das Recht auf freie Presse ist mit gutem Grund in unserem Grundgesetz verankert und wird m.W. auch von niemandem in Frage gestellt. Die Frage ist nur: wie frei ist die freie Presse wirklich? Ich denke hier nicht an die Fälle staatlicher Übergriffe, über die sich Journalisten schnell ereifern, sondern um strukturelle Einflüsse. Hier denkt man vielleicht an die Werbung oder die schmeichlerischen Rabatte für Journalisten, durch die eine freie Berichterstattung nur mit angezogener Handbremse möglich ist, oder man denkt an die teilweise vielleicht allzu große Nähe zwischen Politikern und Journalisten. Vielleicht denkt man noch an die Abhängigkeit von den Konsumenten, die bestimmte Dinge einfach nicht wissen wollen und ein in einem gewissen Rahmen aufgeräumtes Weltbild erwarten.
Aber es gibt noch ganz andere Einflüsse, die der Berufsstand des Journalisten selbst mit sich bringt.
Fortsetzung:
Wer als Journalist anfängt und sich im Volontariat die ersten Sporen verdienen möchte, fängt “ganz unten” an. Und unten ist dort, wo die Berichterstattung mit der geringsten öffentlichen Aufmerksamkeit abläuft: also vor allem kleine Lokalberichte, Vereinsjubiläen, Kirmes etc… Die Karriere eines Journlisten entwickelt sich dann, wenn alles gut läuft, hin zu immer mehr Aufmerksamkeit und einem potentiell immer größeren Interessentenkreis. Es folgt die Stadtpolitik, Landes- und schließlich die Bundespolitik. Gerade bei Zeitungen, die international gelesen werden, kann man dieses Spiel noch weiter treiben und seine Karriere mit der Europapolitik und internationalen Enwicklungen vorantreiben. Das Ansehen eines Journalisten ist also in gewisser Weise das Spiegelbild der politischen Ordnung: je mächtiger die Politik ist, über die berichtet wird, desto angesehener der Journalist. Aus diesem Grund hat ein Journalist aber auch ebenso wie ein Politiker kein Interesse an einer Deregulation er Politik. Man könnte zwar auf die Idee kommen, dass auf diese Weise aber die Masse der Journalisten aufgewertet würde, aber jeder will ja gerade beweisen, dass er geeignet ist, sich mit den ganz großen Themen der Welt zu befassen. Der Journalismus, auch der freie, ist keine Unterstützung im Kampf gegen politische Zentralisierung, sondern eher ein mächtiger Gegenspieler. Weder auf der Ebene der Föderalismusdebatte noch auf europäischer Ebene darf man erwarten, in Medien starke Stimmen gegen Zentralisierung zu finden.
Die gleiche Karriere-Logik führt auch zu einem politisierten Denken: wichtig ist alles, was mit Politik zu tun hat, und da dies so ist, sollte möglichst viel mit Politik zu tun haben. Ein Journalist begibt sich zwar auch mal in die Niederungen des Alltags, aber man muss immer deutlich machen, dass man das Leben eigentlich nur für die Folge der Politik hält. Entweder zeigt sich dort politisches Versagen oder politische Lösungen. Wird der Zusammenhang zu klaren politischen Forderungen - am besten auf internationaler Ebene versteht sich - nicht deutlich, ist man nur ein Feld-Wald-und-Wiesen-Journalist. Der Medien-Rezipient wird auf Dauer also kaum eine Chance haben, als die Politik für das Wichtigste im Leben zu halten und wiederum seine Ehre darin suchen, möglichst über politische Berichterstattung auf dem Laufenden zu bleiben.
Ein anderer Effekt hat mit dem Gabenprofil von Journalisten zu tun: Journalisten leben davon, dass sie Texte erstellen. Es ist also zu erwarten, dass es unter ihnen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an sprachbegabten Menschen gibt. Daraus kann man wohl schließen, dass Journalisten überdurchschnittlich häufig Geisteswissenschaftler und haben die üblichen linken Einstellungen der geisteswissenschaftlichen Fakultäten übernommen (näheres über diesen Zusammenhang in “Struktur und Meinung"). Der Berufsstand des Journalisten selektiert also politisch vor.
Die Selektion in Kombination mit dem strukturellen Interesse an Machtkonzentration, verbünden sich zu einem klassischen linken Weltbild, dass sich fast notwendig unter Journalisten durchsetzen muss.
Was bedeutet das? Soll man hier politisch eingreifen? Natürlich nicht :-) Aber man muss sich von herrschenden Meinungen unter Journalisten auch nicht beeindrucken lassen.