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Die Wurzeln der Prüderie

21.10.08

Permalink 11:23:38, von Moorwackler E-Mail , 1181 Wörter   German (DE) latin1
Kategorien: Sexualität, Geschichte

Die Wurzeln der Prüderie

Prüderie wird in unserem Kulturkreis unhinterfragt mit dem Christentum in Verbindung gebracht. Dass dies aber schon auf den zweiten Blick nicht mehr möglich ist, weiß jeder, der ein wenig mit dem Sprachgebrauch der Bibel vertraut ist. Hier werden in den Heiligen Schriften ohne Schamgefühl Worte wie “Schenkel", “Brüste", “Mutterleib” etc… regelmäßig verwendet. Heute wäre es nicht nur in Kirchen sondern auch in politischen Reden oder bei festlichen Anlässen eher ungehörig, den Körper sprachlich allzu deutlich abzubilden. Nur Proleten zeigen ihre Muskeln unter engen T-Shirts und sprechen gerne und viel über das, was die Kleidung verhüllen soll. Der normale Bürger empfindet diese Offenheit als unpassend. Und zwar nicht aus religiösen Gründen, sondern einfach, weil es eine bestimmte gesellschaftliche Zugehörigkeit ausdrückt. Es scheint also eine historische Entwicklung gegeben zu haben, die im Bürgertum dazu führte, dass der Körper und die enthüllende Sprache peinlich berühren.
Der folgende Wikipedia-Artikel legt den Verdacht nahe, dass die eigentliche Quelle der Prüderie gar nicht die Bibel ist (diese Vorstellung kann man wie gesagt leicht selbst revidieren, wenn man nur mal die entsprechenden Begriffe in einer Internet-Konkordanz nachschlägt), sondern die Aufklärung. Ob es stimmt, kann ich nicht abschließend beurteilen, aber nach meinem Kenntisstand strotzen die Schriften der Aufklärer tatsächlich nicht gerade vor Körperlichkeit, wie man das noch von biblischen Texten kennt.

...

“Prüderie im engeren Sinne bezeichnet Scham, also die weitgehende Ablehnung der menschlichen Nacktheit und ist damit nicht gleichzusetzen mit der Gymnophobie als einer irrational erlebten Angst vor Nacktheit. Im weiteren Sinne bezeichnet Prüderie eine Geisteshaltung, die das Ziel hat, sexuelle Äußerungen jeglicher Art in der Öffentlichkeit und teilweise auch im Privatbereich weitestgehend auszuschließen. Dies betrifft vor allem die Darstellung oder auch nur Andeutung von Erotik in Ton- und Bildform, Mode, Medien, Literatur, historischen Zeugnissen, Konversation.
Entgegen der landläufigen Meinung, die Gründe für Prüderie lägen in der - insbesondere christlichen - Sexualethik, scheint das Bestreben, Sex zu reglementieren und Körper zu verhüllen nicht miteinander zu korrelieren. So gibt es im Alten Testament ein eigenes Buch, dass der Liebe zwischen Mann und Frau gewidmet ist und das oft eine sehr körperliche Ausdrucksweise pflegt (beispielsweise gibt es mehrere Redewendungen, in denen die „Schenkel“ enthalten sind, Zorn wird als „Pressen der Nase“ beschrieben etc…). Auch das Mittelalter war alles andere als prüde. Die alten Darstellungen der Hölle waren erfüllt von nackten Frauen, Taufen wurden teilweise gemeinschaftlich abgehalten, wobei mehrere in einem großen Taufbecken nackt zusammen saßen. Prüderie tauchte erst im 17. Jahrhundert auf und hatte weniger mit Sex als mit dem Körper selbst zu tun. Das Verhüllen des Körpers sollte keinen Sex verhindern (was bei einem Bild ja auch wenig Sinn ergibt), sondern stigmatisierte den Körper als etwas Peinliches. Dieser Wunsch, den Körper zu verhüllen beschränkte sich daher auch nicht auf den Bereich der Erotik sondern auch auf den der Niederkunft oder sogar die Darstellung nackter männlicher Oberkörper, die es nur im Zusammenhang mit einfachen Arbeitern gab. Zeitlich und inhaltlich spricht einiges dafür, die Aufklärung als Erfinderin der Prüderie zu sehen. Durch sie erhielt der Verstand die Oberhand über alles Wilde und Natürliche, wozu eben auch der Körper gehört. Der aufgeklärte Mensch war zugeknöpft. Diese Fremdheit des Körpers führte dazu, dass Theologen im 17. und 18. Jahrhundert oft Schwierigkeiten hatten, das Hohelied der Liebe auszulegen und derbe Stellen im Alten Testament verhüllt übersetzt wurden. Heute bezeichnen die Begriffe „prüde“ und „Prüderie“ nicht die Vermeidung öffentlicher Darstellung des nackten Körpers sondern meistens bestimmte Formen der Sexualethik, die dadurch als zu eng beschrieben werden.”

Und wie sieht es heute aus? Kaum jemand käme auf die Idee, unsere Gesellschaft als “prüde” zu bezeichnen. Aber sie ist es. Das Bild vom proletenhaften Muscle-Shirt besteht unverändert. Und sind nicht die zahllosen Versuche, den eigenen Körper zu trimmen und durch kosmetischen Korrekturen jeden Makels zu berauben nicht eine abgewandelte Form der Prüderie? Niemand wagt es, seinen wahren Körper zu zeigen, solange er nicht einigermaßen an ein bestimmtes Bild angepasst ist. Ehrlich und offen wäre es vielmehr, den Leuten ihren alternden, schwabbeligen und deformierten Körper gnädig zu verhüllen aber gleichzeitig offen darüber sprechen zu dürfen. Und von diesem Zustand ist unsere Gesellschaft weiter entfernt denn je. Ja, wir sind prüde. Was sich geändert hat ist die öffentliche Wahrnehmung der Sexualität - nicht des Körpers, was ein großer Unterschied ist! Die Sexualität soll für jeden überall verfügbar sein. Das hat nicht zu einem entspannten Umgang mit dem Körper geführt sondern allein dazu, dass jeder seinen Körper in eine Schablone verwandeln muss, die öffentlich oder zumindest potentiell regelmäßig von fremden Menschen aus nächster Nähe betastet und betrachtet wird. Als ich Kind war, kannte man es nur von Schauspielerinnen und Foto-Models, dass man sich unter den Armen rasieren kann. Heute scheint es mir eher die Regel zu sein. Vermutlich hat kaum eine Gesellschaft vor uns so viel an ihrem Körper herumgebastelt wie unsere und dies in dem Selbstbild, wir hätten zu einem natürlichen Sexual- und Körper-empfinden zurückgefunden…

Tatsächlich haben wir ein neues Korsett für unseren Körper erfunden, ein Korsett, dass grausamer ist als die hochgeschlossenen Blusen der vergangenen Jahrhundert und der langen Röcke. Es ist ein Korsett, dass direkt den Körper verändert und den nackten Menschen vom bloßen unterscheidet.

Möglicherweise hängen die Sexualisierung und die Prüderie sogar sehr eng zusammen: durch das Tabuisieren des Körpers wird er interessanter als er vielleicht ist. Das Gleiche gilt für die Verklärung des makellosen Körpers, so wie wir ihn sehen. Denn so viel nackte Haut wir heute zwar auf normalen Buchrücken und in der Werbung auch wahrnehmen, es handelt sich immer um makellose Haut. Richtige Körper werden uns dort nicht zugemutet. Die erotische Dauerpräsenz von vollkommenen Körpern ist die direkte Fortsetzung der Tabuisierung und befriedigt eben den Reiz, den diese geweckt hat. Mit wirklichen Körpern hat das wenig zu tun. Geradezu grotesk wirkt diese Entwicklung, wenn man sich den Altersdurchschnitt der Deutschen ansieht. Der durchschnittliche Körper ist nämlich todverfallen und hässlich. Das ist die nackte Wahrheit.

Wahrscheinlich wird es auch für uns Christen eine Weile dauern, bis wir auf der Grundlage der Heiligen Schrift wieder zu einem befreiten Verhältnis zu unserem Körper gelangen. Wir werden ihn auch weiter verhüllen und anderen gnädig ihre Hüllen lassen. Aber wir werden vielleicht irgendwann in Sprache und Umgang den Körper wieder als das wahrnehmen, was er ist: ein Teil der gefallenen Schöpfung, Krankheit, Alter und Tod ausgeliefert und doch etwas, womit Gott uns eine Menge Spaß ermöglicht. Nicht mehr und nicht weniger.

13 Kommentare

Kommentar von: Manuela [Besucher] E-Mail
ManuelaWas hat das denn mit Prüderie oder Nicht-Prüderie zu tun, wenn die meisten Frauen zu schlampig waren sich die Achseln zu rasieren. Und solche gibt es übrigens heute immer noch. Vor allem bei typischen Dorftrampeln!
Und es sind doch die frommen Spießer, die sich z.B. darüber aufregen, wenn eine Frau im Freibad ohne Bikinioberteil rumläuft, die aber dann nur deshalb in einer Bar mehr Geld für ihr Bier ausgeben weil es dort eine Oben-ohne-Bedienung gibt! Oder die sich über FKK aufregen, sich aber nur deshalb eine Zeitung kaufen, weil auf Seite 1 eine nackte Frau abgebildet ist!
Mir ist selbst mal so einer über dem Weg gelaufen als ich mich an einem See nackt gesonnt habe. Ich hatte ihn schon längst bemerkt, als er sich zuerst hinter einem Busch versteckte und mich beobachtete. Da hatte er sich erst einen gewichst, danach laberte er mich dann an. Das sei ja unsittlich mich nackt zu sonnen. Es könnten ja schließlich Kinder vorbeikommen. Und wie ich später erfuhr war der Typ auch noch im Kirchenvorstand tätig! Da sieht man ja, was man von den Frommen zu halten hat!

27.10.08 @ 12:38
Kommentar von: Moorwackler [Mitglied] E-Mail
MoorwacklerDass Prüderie und Schamlosigkeit Geschwister sind und nicht zufällig für den gleichen Kulturkreis typisch geworden sind, habe ich in dem Beitrag doch ausdrücklich behauptet. Es ist daher kein Zufall, dass die beiden sich am gleichen See begegnen können.
Ob deine weitgehende Folgerung am Ende deines Kommentars den "Frommen" gerecht wird, wage ich zu bezweifeln, denn dafür kenne ich zu viele von ihnen, aber das müssen wir hier ja nicht ausdiskutieren.

Was der Mann zu dir gesagt hat, war zu 50% richtig: es ist unsittlich (und darüber hinaus verboten), sich in der Öffentlichkeit nackt zu sonnen. Aber das größte Problem dabei sind nicht die Kinder, die dich sehen könnten, sondern die Männer!
Das wirst du vielleicht mit einem Achselzucken abtun und deswegen bitte ich dich, dir vorzustellen, wir unterhalten uns etwa 30 oder 40 Jahre später. Vor Männern hinter Büschen hättest du schon lange nichts mehr zu befürchten und der einzige - etwa gleichalte - Mann, den du liebst, geht neben dir am See spazieren. Nun stell dir vor, du siehst die übernächste Generation von jungen Frauen dort nackt am Strand liegen und erwischst deinen Mann bei einem Blick zu ihnen. Würde dir das nicht wehtun? Sich als Frau nackt in der Öffentlichkeit zu zeigen ist nicht nur eine Frage der individuellen Freiheit sondern hat etwas mit Liebe gegenüber dem Nächsten zu tun. Liebe gegenüber dem Mann, der vielleicht seiner Frau treu sein möchte. Und es hat etwas mit Liebe gegenüber dessen Frau zu tun, die durch die von dir mitverantwortete Szene vermutlich sehr verletzt wäre.

Es war kein Zufall, dass die sog. "Sexuelle Revolution" mit dem Kampf gegen feste Beziehungen einherging. Denn beides kann man nicht haben.
27.10.08 @ 16:05
Kommentar von: Karin [Besucher] E-Mail
KarinAch, ne! Und was ist mit den FKK-Stränden, wenn doch die Männer, die ihren Frauen treu sein möchten, das nur deshalb nicht können, weil ihnen andere Frauen nackt unter die Augen treten?
Und was ist mit all den Zeitungen und Zeitschriften? Da gibt es doch nur noch wenige, in welchen nicht mindestens eine nackte oder halbnackte Frau abgebildet ist!
Und wenn ich einen Mann liebe, dann werde ich ihm doch auch nicht deswegen untreu, weil mir ein anderer nackt übert dem Weg läuft!
27.10.08 @ 22:48
Kommentar von: Moorwackler [Mitglied] E-Mail
MoorwacklerStimmt alles und Christen haben immer darauf hingewiesen, dass die zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Lebens mit der angestiegenen Scheidungsquote zusammenhängt. Sie haben sexuelle Freizügigkeit immer als Gefahr für die Ehe eingestuft und vor allem deshalb verurteilt! Es ist die einfache Wahrheit, dass Sünde in den Gedanken anfängt und die Untreue mit dem Wunsch, mit einer anderen Frau "die Ehe zu brechen" (Mt 5,27ff).
Jesus formuliert hier aus männlicher Sicht. Bei Frauen scheint das tatsächlich etwas anders zu laufen. Du schreibst ja, dass ein der Anblick eines nackten Mannes dich nicht gleich zur Untreue verführt. Damit stehst du offenbar nicht allein, denn die mit Abstand meisten Menschen, die in den Illustrierten ihre Haut zeigen, sind junge Frauen und ungleich seltener junge Männer. Diejenigen, die für die Abbildungen verantwortlich sind scheinen also selbstverständlich damit zu rechnen, dass Männer eher auf sie anspringen als Frauen. Wenn man sich ansieht, wo Sex allerdings nicht gezeigt sondern beschrieben wird, sieht die Sache schon anders aus: hier taucht er meistens in Romanen auf, die mehrheitlich von Frauen gelesen werden. Ethisch macht es keinen großen Unterschied. Beides sind Verführungen, die an den Gedanken ansetzen. Und schuldig sind sowohl die Frauen, die sich nackt abbilden lassen, als auch die Männer, die das entsprechende Material konsumieren. Das gleiche gilt für die Autoren der meisten heute geschriebenen Romane und ihrer Leserinnen.

Und wie gesagt: gerade die Dauerpräsenz von erotisierenden Abbildung ist von Prüderie geprägt: denn sieh dir mal an, wer da abgebildet oder in Romanen beschrieben wird: es sind doch ausschließlich Menschen in ihren besten Jahren mit nahezu makellosen Körpern. Niemand will etwas über Alter, Krankheit und Tod höhren, obwohl das ausgesprochen körperliche Themen sind. An die Stelle der Verhüllung ist die Standardisierung und Verklärung getreten.
Es ist wie in der Legende von den potemkinschen Döfern: gezeigt wird nur eine Fassade, hinter der sich alles wirklich Körperliche verbirgt. Die Sexualisierung für ein geeignetes Gegenmittel zur Prüderie zu betrachten ist, als wollte man die Fassaden der potemkinschen Dörfer als ehrlichen Blick auf die Dörfer hinstellen.
Sexualisierung lenkt die Menschen von ihrem realen Körper und dessen Gebrechen ab, von ihrem realen Ehepartner und offenbar auch von realem Sex (bekanntlich haben die Deutschen heute erheblich weniger Sex als noch vor 50 Jahren...).

Gruß
Moorwackler
28.10.08 @ 11:09
Kommentar von: Doris [Besucher] E-Mail
DorisDie Frauen machen sich also schuldig, wenn sie sich nackt zeigen? Das ist ja wohl totaler Quatsch!
Ich bin überzeugte Nudistin und lebe so weit wie möglich nackt! Zuhause bin ich fast immer nackt. Und ich bleibe es auch, wenn Besuch kommt. Ich ziehe mir doch nicht extra etwas über wenn es bei mir klingelt!
Und ich bewege mich auch nackt in der freien Natur. Nicht nur am FKK-Strand!
Ich finde es toll nackt über Wiesen zu laufen, nackt im Wald spazierenzugehen! Und ich bade auch ausschließlich nackt! Einen Bikini oder Badeanzug besitze ich überhaupt nicht mehr. Es ist doch totaler Schwachsinn Badebekleidung zu tragen! Und es ist auchg in anderen Fällen Schwachsinn Kleidung zu tragen, z.B. bei der Hausarbeit. Wenn man nackt ist macht man doch keine Kleidung schmutzig, braucht sie anschließend nicht zu waschen!
An heißen Sommertagen ist es doch sowieso totaler Schwachsinn überhaupt Kleidung zu tragen! Aber da sind dann diese blöden Spießergesetze, mit Erregung öffentlichen Ärgernisses und so! Nur weil dann irgendsoein Typ unterhalb der Gürtellinie erregt ist und der Gattin an seiner Seite dies ärgert!
Nacktheit sollte doch ein ganz normales Freizeit-Outfit sein!
28.10.08 @ 12:53
Kommentar von: Katja [Besucher] E-Mail
KatjaDa kann ich Doris nur voll zustimmen! Ich lebe auf einem Bauernhof und bin auch meistens nackt! Warum soll ich Kleidung tragen wenn ich die Ställe ausmiste, die Kühe melke oder die Schweine füttere? Es ist doch totaler Blödsinn dabei Kleidung schmutzig zu machen! Es ist doch viel praktischer alles nackt zu machen! Ich trage dabei normalerweise lediglich Gummistiefel und ein Kopftuch (um meine Haare nicht allzusehr einzusauen)! Danach brauch nich doch nur noch unter die Dusche!
Und bei der Feldarbeit bin ich auch nackt, z.B. wenn ich auf dem Trecker fahre. Schließlich staubt es doch bei diesen Arbeiten!
Und was soll mich denn daran stören wenn mich jemand nackt sieht? Am FKK-Strand oder in der Sauna kann mich doch auch jeder nackt sehen!
Im Sommer habe ich oft 24 Stunden am Tag nichts an. Ich stehe dann morgens nackt auf, mache meine Arbeit nackt, bleibe anschließend den Rest des Tages auch nackt und gehe dann irgendwann nackt ins Bett!
Und ich fühle mich dabei auch viel freier!
28.10.08 @ 13:28
Kommentar von: Rudi [Besucher] E-Mail
RudiDie Deutschen haben heute weniger Sex als vor 50 Jahren? Wer sagt das denn? Die Deutschen hatten doch wohl lediglich vor 50 Jahren mehr Kinder. Weil es damals die Pille noch nicht gab! Weil es heute bessere Verhütungsmöglichkeiten gibt, gibt es doch überhaupt keinen Grund weniger Sex zu haben!
Womit ist das also belegt?
28.10.08 @ 13:46
Kommentar von: Moorwackler [Mitglied] E-Mail
Moorwackler@Rudi
http://www.welt.de/print-wams/article118396/War_die_Ehe_in_den_fuenfziger_Jahren_aufregender_als_heute.html
28.10.08 @ 15:04
Kommentar von: Moorwackler [Mitglied] E-Mail
Moorwackler@Doris und Katja
Mir ging es um den Fall, in dem andere den Nackten sehen können. Und hier hat es tatsächlich etwas mit Schuld zu tun, wenn man gleichgültig gegenüber den Wirkungen wird, die man bei anderern hervorruft.
Es ist umgekehrt ein Zeichen von Liebe, wenn man sich vor anderen verhüllt, selbst wenn man es als unfrei oder weniger praktisch empfindet.

Das Verhüllen hat aber noch einen anderen Aspekt: es ist zu allererst ein Verhüllen der eigenen Sünde. Als Adam und Eva zum ersten Mal gegen Gottes Willen gehandelt und von der verbotenen Frucht gegessen hatten, schämten sie sich auch zum ersten Mal und machten sich die berühmten Schurze aus Blättern.
Gott machte ihnen dann später ihre ersten richtigen Kleider aus Fellen und erlaubte es ihnen dadurch, ihre Scham zu bedecken und sie nicht wegen ihrer Bosheit zu vernichten. Die Kleidung war also ein Akt Seiner Gnade gegenüber dem gefallenen Menschen. Und so wie Gott im Menschen das Wissen um die Schuld erhalten hat, erhielt er ihm auch die Scham und die Möglichkeit, sich zu bedecken.
In den meisten Kulturen werden daher bestimmte Körperregionen vor dem Blick anderer geschützt, aber interessanterweise auch dann, wenn andere nicht dabei sind! Das Schamgefühl hat nur zum Teil etwas mit anderen Menschen zu tun. Es scheint nur ein allgemeines Schamgefühl zu geben, dass dazu führt, dass man entweder immer das Bedürfnis hat, sich zu bedecken (allein und wenn andere dabei sind) oder das Schamgefühl fehlt ganz und dann ist es ebenfalls egal, ob jemand dabei ist oder nicht - dieses Empfinden habt ihr ja beide sehr deutlich beschrieben.

Also kann man das Schamgefühl schwer auf so vernünftige und naheliegende Argumente reduzieren wie "erregt andere" (obwohl ich das nach wie vor für einen extrem wichtigen Punkt halte, weil er etwas mit Liebe gegenüber anderen zu tun hat) oder im entgegengesetzten Fall "ist praktisch" o.ä.
Und es ist daher kein Zufall, dass Menschen, die immer nackt sein wollen nicht nur im Fall von Doris dies als Lebensstil betrachten, den sie kämpferisch als "-ismus" bezeichnen und zu dem es so etwas wie einer "Überzeugung" bedarf. Ohne viel über Nudisten zu wissen, würde ich allein aufgrund des biblischen Textes über den menschlichen Beginn von Schuld und Scham davon ausgehen, dass die meisten Nudisten vermutlich allergisch auf das Thema "Schuld" reagieren - nicht nur im Zusammenhang mit ihrer Nacktheit. Nudismus und schlechtes Gewissen passen nicht zusammen denn wer gegen die Scham rebelliert wird auch von seiner Schuld nichts wissen wollen.
Aber die Folgen der Sünde werdet ihr genau dort erleben, wo ihr jetzt eure Freiheit zu finden glaubt: an eurem alternden Körper. Es wäre prüde, das ignorieren zu wollen.

Gruß
Moorwackler
28.10.08 @ 19:52
Kommentar von: Hartmut Slomski [Besucher]
Hartmut Slomski"Gott machte ihnen dann später ihre ersten richtigen Kleider aus Fellen..."? Ich dachte immer die ersten Kleider dieser Art wären dadurch entstanden, dass die Urmenschen den von ihnen erlegten Tieren das Fell abzogen und sich daraus ihre Kleider machten, um während der Eiszeit nicht zu frieren! Ich dachte immer die Neandertal-Haute-Couture hätte sich auf diese Weise entwickelt!
29.10.08 @ 02:06
Kommentar von: Moorwackler [Mitglied] E-Mail
MoorwacklerNein, dass ist schwer vorstellbar, selbst für einen Anhänger der Leben-entsteht-trotzdem-aus-unbelebter-Materie-Theorie. Tiere haben alle denkbaren Schutzmechanismen entwickelt, um mit Kälte fertig zu werden. Sie besitzen entweder eine gewaltige Speckschicht oder einen unglaublich dichten Pelz mit eingebauter Wärmefalle. Wieso um alles in der Welt sollten sie, selbst mit entsprechender Intelligenz, Kleidung herstellen, die das Leben erheblich umständlicher macht und gegenüber der natürlichen Anpassung nur Nachteile bietet? Die nackte Haut könnte sich nur unter einer bestehenden Kleidung entwickelt haben für die es vorher aber keinen Nutzen gab.
Und falls sie auf die dämliche Idee kamen, größere Wanderungen über mehrere Klimazonen hinweg anzutreten, bevor sie die Intelligenz entwickelt haben, Kleider anzufertigen, dann wären die Menschen ausgestorben, bevor auch nur gelernt hätten, Feuer zu machen. Denn Wanderungen sind auch für viele Tierarten möglich, das Herstellen von Kleidung aus Fellen nicht (O.K. außer beim Einsiedlerkrebs...).
Die Antwort der Bibel ist daher plausibler: die Kleidung wurde nicht in erster Linie gegen Kälte sondern gegen Scham entwickelt.
Und nur ein Mensch, der sich ein Bewusstsein für seine Schuld bewahrt und nicht verdrängt, weiß, was es bedeutet, wirklich nackt zu sein.

Gruß
Moorwackler
29.10.08 @ 09:57
Kommentar von: emporda [Besucher] E-Mail
empordaDie Prüderie ist eine Antwort der Neuzeit auf die Syphilis. Die Kirchenführer haben immer schon "die Sau rausgelassen", [Satzende gelöscht, Gotteslästerungen sind hier unerwünscht, mfG Moorwackler]

Papst Klemens VI kauft per Urkunde im Namen Jesus Christi ein Bordell von einer Arztwitwe. Beim Konzil von Konstanz 1414 n.C. gehörten zum Tross der Kirchenführer 700 Huren, wie heute auch gelten moralische Ansprüche nur fürs gemeine Volk, nicht aber für die herrschende Klasse. 1367 n.C. verfügt Papst Urban V (Guillaume Grimoard) alle Kleriker haben bei Strafe der Exkommunikation ihre Konkubinen zu entlassen, kaum einer hält sich daran. Papst Sixtus IV (Francesco della Rovere) betreibt wie auch Alexander VI (Rodrigo Borgia), Pius III (Francesco Todeschini Piccolomini) Julius II (Giuliano della Rovere) oder Leo X (Giovanni de Medici) ein Vatikan-Bordell, ein Vatikanzuhälter Capitaneus Prostibuli de Ponte Sixto kassiert 2 Carlini/Monat je Nutte. Ein Papst zeugt Kinder mit der Schwester, während die Kurtisanen Abwechslung für Bischöfe und Kardinäle bieten. Kardinal Cornaro hat ein bekanntes Verhältnis zur Kurtisane Doralice, die Kurtisane Saltarella und Isabella de Luna rühmen sich mit 5 Kardinälen „gespeist“ zu haben. Rom hatte bei etwa 53.000 Einwohnern an die 6.800 Huren, wie Reiseberichte von Michel de Montaigne, Arnold Buchell, Bartholomäus Sastrow, Thomas Coryate, Richard Lassels und Philipp Eduard Fugger lebhaft schildern. Erst 1566 n.C. vertreibt Papst Pius IV (Giovanni An
31.10.08 @ 20:44
Kommentar von: Moorwackler [Mitglied] E-Mail
MoorwacklerDas Beispiel der römischen Kirche zeigt, wie Prüderie den sexuellen Wahnsinn hervorbringt: auf der einen Seite war Sex mit unglaublichen Hürden versehen. Offiziell durfte man in der Katholischen Kirche (oder darf man bis heute?) Sex nur zur Vermehrung praktizieren. Wer besonders gläubig sein wollte, musste ganz darauf verzichten. Diese Einschränkungen gingen weit über die Ansprüche des Christentums hinaus.
Auf der anderen Seite entwickelten sich eben die Missstände, die du ansprichst. Gerade das Zölibat nahm in der Bevölkerung niemand mehr ernst, weil es bedeutete, dass ein Priester seine heimlichen Frauen, die es überall gab, jederzeit und nach Belieben entlassen und neue nehmen konnten. In heimlichen Beziehungen gab es keine Regeln. Ähnlich sah es auch in den Klöstern aus, die teilweise regelrechten Bordellbetrieben geglichen haben sollen.

Auch für die Arbeiter war es übrigens schwierig, weil sie aus finanziellen Gründen oft gar nicht heiraten konnten und deshalb routinemäßig in unrechtmäßigen Beziehungen lebten.

Die Menschen haben offenbar immer dazu geneigt, die Schranken vor der Sexualität gleichzeitig zu hoch anzubringen um dann davor zu rebellieren und jede Ordnung zu verwerfen. Prüderie und Schamlosigkeit eben.

Und die Prüderie rechtfertigt sich mit der Schamlosigkeit ebenso, wie die Schamlosigkeit mit der Prüderie.

Das nüchterne Verhältnis der Bibel zur menschlichen Sexualität hat weder mit dem Einen noch mit dem Anderen etwas zu tun.
31.10.08 @ 22:20

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