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Die Empörung über reiche “Steuersünder” ist groß. Bei mir überwiegt die Empörung über die Abgabenlast in Deutschland. Der Spitzensteuersatz betrifft mich zwar nicht, aber er lässt durchaus die Frage aufkommen, wo eigentlich die ethischen Grenzen der Steuerpolitik liegen.
Denn wenn es nicht gerade der Staat wäre, der Menschen mehr als die Hälfte ihres Besitzes wegnimmt, dann hätte jeder Verständnis für das Bemühen, sein Eigentum in Sicherheit zu bringen und jeder würde sich über den Dieb aufregen, wenn er doch sein Ziel erreicht. Allein die Tatsache, dass es der Staat ist, der die Regeln bestimmt, führt dazu, dass aus einem Schutzinstinkt eine “Sünde” wird und der Beraubte sich noch öffentlich als “Dieb” und “Krimineller” beschimpfen lassen muss.
Ich will gar nicht das grundsätzliche Recht des Staates auf Steuern in Frage Stellen. Ich halte aber einerseits das Recht eines Staates auf Steuern für begrenzt und andererseits die deutschen Strafen auf Steuerdelikte für unangemessen hoch.
“Der Botschafter des Fürstentums, Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, wies im Sender N24 darauf hin, dass das Thema in seiner Heimat ein anderes Gewicht hat: «Wenn jemand bei uns in Liechtenstein Steuern hinterzieht, dann ist das so, wie wenn sie eine Verkehrsübertretung machen.» Steinbrücks Sprecher sagte, dass es sich bei Steuerhinterziehung um kriminelle Taten handele. Die betroffenen Personen handelten wie Diebe, Räuber oder Hehler.” (welt online)
Und die werden in Deutschland entsprechend bestraft:
“Ondracek trat zudem dem Eindruck entgegen, deutsche Gerichte zeigten sich zu milde gegenüber Steuersündern. „In Steuersachen sind Gefängnisstrafen keine Ausnahmen.“ Jedes Jahr würden Haftstrafen zwischen 1500 und 1600 Jahre wegen Steuerhinterziehung verhängt, sagte er. Nach dem derzeit geltenden Recht drohen Steuersündern bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Er beklagte jedoch, dass zu viele Verfahren mit einem „Deal“ endeten.” (faz)
Die Koalition denkt natürlich über noch härtere Strafen nach und wird sie vermutlich auch einführen. Aber warum genügt es nicht, die vorenthaltenen Steuern um meinetwegen das dreifache zurückzufordern? Wieso sollen Steuerhinterzieher denn ins Gefängnis? Soll etwa deutlich gemacht werden, dass dies die letzte in Deutschland gültige Ethik ist: die Sünde wider den Staat?
Wenn dieser Eindruck entsteht, ist es Zeit für Christen zu widersprechen: Der Staat ist nicht der Urheber der Ethik sondern ein Diener Gottes. Wo eine Regierung vergisst, wem sie Rechenschaft schuldet, wird sie verantwortungslos und kennt in ihrer Gier und Gestaltungswut keine Grenzen. Und wo sie Gottes Recht wahren soll, lässt sie nur das Gesetz ihrer Gier gelten und gibt dies als Tugend aus.
Dabei gilt:
Spr 29,4 Ein König richtet das Land auf durchs Recht; wer aber viel Steuern erhebt, richtet es zugrunde.