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Gehört Patriotismus überhaupt in die Kategorie “theologisch konservativ", oder ist es “nationalkonservativ"? Die Frage lautet Ja und Nein, jenachdem, welchen Patriotismus man meint.
Spricht man von “Stolz auf das Vaterland” ist er dumm und gefährlich. Meint man aber die “Liebe zum Vaterland” ist er eine wichtige Pflicht jedes Christen. Beide Haltungen schließen sich wechselseitig und unerbittlich aus: wo Liebe herrscht, ist man sich auch der Fehler des Geliebten bewusst und wird einfühlsam für die Liebe anderer Menschen zu ihrem Land. Der Stolz ist eigentlich gar nicht auf das Land gerichtet sondern blickt nach “außen". “Innen” und “außen” sind für den Landesstolz wichtige Kategorien und die Wahrnehmung wird von ihnen bestimmt. Er hört im Gegensatz zur Liebe zum Glück spätestens dann auf, wenn die Makel des eigenen Landes nicht mehr zu übersehen sind. Dann ist die Stunde der Vaterlandsliebe gekommen, die liebt, wo es nichts Gefälliges mehr gibt und Gefälliges findet, wo der Stolze die Suche aufgegeben hat.
C.S. Lewis schreibt interessanterweise in seinem Buch “Was man Liebe nennt” (von 1960) u.a. auch über den Patriotismus. Ich möchte hier nur einen kleinen Auszug eines größeren lesenswerten Abschnittes zu diesem Thema zitieren. Lewis spricht als Christ hier von der (englischen) Vaterlandsliebe:
“Patriotismus hat viele Gesichter. Wer ihn ganz über Bord werfen möchte, hat wohl nicht überlegt, was ganz gewiss an seine Stelle treten würde. Mancherorts kann man da bereits beobachten. Die Nationen werden wohl noch lange Zeit, vielleicht immer, bedroht sein. Die Regierungen müssen die Bürger irgendwie zur Landesverteidigung motivieren (für Auslandseinsätze und “Blauhelm” und andere “Missionen” gilt das im Folgenden gesagte uneingeschränkt auch; Anm. Moorwackler). Wo das Gefühl des Patriotismus zerstört ist, muss man den Leuten jeden zwischenstaatlichen Konflikt als ethische Streitfrage darstellen. Wenn sie für das Vaterland weder Schweiß noch Blut vergießen wollen, muss man ihnen weismachen, dass sie für die Gerechtigkeit, die Zivilisation oder die Humanität kämpfen. Das ist ein Schritt abwärts, nicht aufwärts. Patriotisches Gefühl braucht natürlich ethische Grundsätze nicht außer acht zu lassen. Gute Menschen musste man davon überzeugen, dass die Sache des Vaterlandes gerecht sei; aber es ging doch um die Sache des Landes, nicht um die Gerechtigkeit als solche. Der Unterschied scheint mir wichtig. Ich kann es ohne Selbstgerechtigkeit und Heuchelei richtig finden, mein Haus mit Gewalt gegen einen Einbrecher zu verteidigen. Wenn ich aber behaupte, ich hätte ihm aus moralischer Überzeugung ein blaues Auge geschlagen - ohne Rücksicht darauf, dass es sich um MEIN Haus handelte -, dann werde ich unausstehlich. Ebenso verlogen ist der Anspruch, wir kämpften nur für England, wenn Englands Sache gerecht sei - etwa so wie irgendein neutraler Don Quijote. Unsinn zieht das Böse nach sich. Wenn die Sache unseres Vaterlandes die Sache Gottes ist, müssen Kriege zu Vernichtungskriegen werden. Dingen, die sehr irdisch sind, wird eine falsche Transzendenz verliehen.
Das Großartige an den alten patriotischen Gefühlen war, dass sie die Menschen zum äußersten Einsatz stählten - und dies immer im Bewusstsein, dass es Gefühle waren. Kriege konnten heldenmütig sein, ohne sich als heilige Kriege aufzuspielen. Der Heldentod wurde nicht mit dem Märtyrertod verwechselt. Und das gleiche Gefühl, das in einem Nachhutgefecht so bitter ernst war, konnte in Friedenszeiten so köstlich leicht genommen werden, wie es typisch ist für jede glückliche Liebe. Es konnte über sich selbst lachen.”