| « Kapitalismus und Multikulturalismus scheitern aus den gleichen Gründen | Plädoyer für einen schwachen Staat » |
Wäre Homosexualität vererbbar, wären eineiige Zwillinge immer beide schwul oder beide nicht schwul. Tatsächlich ergibt sich eine Korrelation von etwa 50 %, d.h. wenn jemand homosexuell empfindet und einen eineiigen Zwilling hat, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Zwilling ebenfalls homosexuell empfindet, bei 50%. Bei zweieiigen Zwillingen beträgt die Wahrscheinlichkeit immer noch 20%, was ebenso deutlich auf die sozialen Komponenten bei der Entwicklung einer Homosexualität hinweist. Die ist auch recht gut untersucht. Beispielsweise steigt die Wahrscheinlichkeit, selbst homosexuell zu empfinden mit jedem weiteren großen Bruder um 33%!
Man kann durchaus von einer recht starken genetischen Disposition sprechen, aber man kann nicht sagen, Homosexualität sei vererbbar. Und genetische Dispositionen lassen sich für praktisch jedes Empfinden und Verhalten nachweisen - beispielsweise auch für Alkoholismus! Auch hier wird natürlich nicht die Alkoholsucht vererbt, wohl aber bestimmte Merkmale, welche diese Begünstigen. In diesem Fall geht man meines Wissens derzeit davon aus, dass eine auffallend hohe angeborene Alkoholverträglichkeit bei vielen Alkoholikern der Auslöser für eine Suchtgeschichte wird. Vielleicht, weil dadurch früh ein nachlässiger Umgang mit Alkohol geübt wurde, vielleich, weil die Verträglichkeit ein paar mal zu oft zur Schau gestellt wurde.
Dieses Beispiel soll nur zeigen, was es bedeutet, eine genetische Disposition für etwas zu haben, nämlich fast gar nichts.
Allerdings ist die Frage gleich in zweierlei Hinsicht ethisch irrelevant:
1. Selbst wenn Homosexualität allein durch Umwelt und Erziehung entstünde, bedeutete dies noch lange nicht, dass das Empfinden frei gewählt wurde! Auch anerzogenes und aufgeprägtes Verhalten oder Empfinden ist ein Paket, mit dem man irgendwie klarkommen muss und das man nie selbst gewählt hat.
2. Selbst wenn Homosexualität vererbbar wäre (d.h. 100%ige Korrelation in Zwillingsstudien), ist dies kein ethischer Freibrief. Wenn es beispielsweise eine vererbbare Vorliebe für Tigerfleisch gäbe (im Zweifelsfall gibt es so etwas sogar), wäre es trotzdem nicht entschuldbar, eine vom Aussterben bedrohte Tierart zu essen.
Vielleicht findet jemand sogar die genetische Disposition für Schwulenfeindlichkeit, wäre das dann ein Argument gegen das Antidiskriminierungsgesetz? Das würde wohl kaum jemand gelten lassen.
Tatsächlich gehört es zum Alltag eines Christen, sich gegen seine sündige Natur zu stellen. Homosexuelle werden hier nicht stärker benachteiligt als Menschen mit einer angeborenen Disposition zum Jähzorn oder zur Eitelkeit. Es ist dabei völlig gleichgültig, welchen Anteil daran Gene und Umwelt haben. Der Kampf gegen die Sünde ist aber gleichzeitig auch ein Zeugnis der Auferstehung, denn wir sterben dieser Welt - auch unserem Körper - ab, und richten unsere Hoffnung ganz auf das ewige Leben, in dem wir unter den Gegensätzen zwischen Sein und Sollen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit nich mehr leiden müssen.